«Dis Stuck verehrt Herr Andreas Pestaluz 1708.
Johannes Baptista Ernst goß mich in Lindau.»
Andreas Pestaluz war vermählt mit Magdalena Hess, der Tochter des Ratsherrn Caspar Hess
und der Regula Steiner. Vom Jahre 1706 bis zu seinem Tode war Andreas Pestaluz Direktor,
d.h. Mitglied des Kaufmännischen Direktoriums und damit Vorsteher der Kaufmannschaft.
Nach seinem Tode wohnte sein Neffe Johann Rudolf Pestaluz-Bullinger (1697-1765; Stammtafel
20), der zweite Sohn Johann Conrad Pestaluz-Bodmers vom Brünneli, im Hause zum
Brunnenhof, das inzwischen diesen gesellschafts- und kanzleifähigen Namen erhalten hatte.
Auch er war Kaufmann und einer der beiden ersten Kuratoren des Familienfonds. Von
seinen Kindern war der älteste Sohn, Hans Conrad (1736-1760), im Geschäft seines Onkels,
Hans Jakob Pestaluz zum Steinbock, in Bergamo tätig. Er starb dort in jungen Jahren und war
nicht der einzige Zürcher Pestalozzi, der von dort nicht mehr nach Hause zurückgekehrt ist.
Auch der jüngste Sohn, Hans Rudolf Pestaluz (1744-1789), arbeitete in jüngern Jahren in
Bergamo im Geschäft seiner Vettern «Conrad Pestalozza & Söhne». Nach Zürich
zurückgekehrt, lebte er in bescheidenen Verhältnissen bei seinem Schwager, Hauptmann
Diethelm Cramer in der Schipfe, dem Gatten seiner älteren Schwester Cleophea. Die jüngste
Tochter aus dem «Brunnenhof», Susanna, hatte Johann Caspar Huber, einen Stadtbürger, der
in Glattfelden wohnte und nach dem Umsturz 1798 Distriktsrichter wurde, geheiratet.
Der zweite Sohn,
Johann Jakob Pestaluz-Nüscheler
(1743-1788; Stammtafel 20), wohnte im
«Brunnenhof». Er war Kaufmann und Zünfter zur Saffran. Daneben aber verfolgte er eine
politische und militärische Karriere, wie sie sich auch anderen Pestaluzen erst in dieser
sechsten Generation in Zürich eröffnet hatte. Im Militär wurde er zunächst (1770)
Hauptmann im Quartier Turbental, bald avancierte er zum Freihauptmann, d. h. zum
Kommandanten einer sogenannten Freikompagnie, womit die gelegentliche Führung eines
Bataillons ad hoc verbunden war. Am 12.Januar 1788 ernannte ihn der Rat zum
Quartierhauptmann im Quartier Turbental
168
. Diese Charge entspricht dem Kommando eines
Regiments der Landmiliz. Zur Vorbereitung auf eine politische Laufbahn stellte er 1768 das
Gesuch, in der Unterschreiberkanzlei der Stadt tätig sein zu dürfen. Der Zutritt zur Kanzlei
wurde ihm vom Rat bewilligt «in Betracht der anwohnenden Fähigkeiten». Bald wurde er
Gerichtsschreiber, zunächst «Nachgangsschreiber»‚ heute würde man sagen Protokollführer
des Untersuchungsrichters, sodann 1772-1786 Gerichtsschreiber des Ehegerichts. Nun stand
ihm die richterliche Laufbahn offen, 1781 wurde er Neurichter, 1783 Mittelrichter am
Stadtgericht
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. Durch seine Tätigkeit wies er sich aus für ein hohes Verwaltungsamt. Im
Jahre 1788 war der Stand Zürich wieder an der Reihe, für zehn Jahre den Landammann der
Landgrafschaft Thurgau zu stellen. Die sieben alten Orte der Eidgenossenschaft übten die
Landeshoheit in der gemeinen Herrschaft Thurgau durch den Landammann aus, der in
Frauenfeld residierte und die Stände als Landesherren vertrat. Am 12.Februar 1788 wählte
der Zürcher Rat einstimmig Herrn Quartierhauptmann und alt Ehegerichtsschreiber Hans
Jakob Pestaluz zum Landammann der Landgrafschaft Thurgau. Im Juli war er von der
Tagsatzung zu Frauenfeld bereits feierlich vereidigt worden. Alles wurde vorbereitet für
seinen «Aufzug» und die Huldigung der Untertanen, doch das Schicksal hatte bestimmt, daß
der Gewählte sein hohes Amt nicht antreten sollte. Als er eben im Begriff war, die
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Staatsarchiv Zürich, Ratsmanual 948, S.114 (19.9.1770); 1018, S.26 (12.1.1788).
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Staatsarchiv Zürich, Ratsmanual 938, S.46 (3.2.1768); 991, 5. 1 (25.6.1781); 1000, 5. 1 (25.6.1783);
Stadtgerichtsbücher B VI, 173, S.62 (11.2.1773).