Navigation bar
  Home Print document Start Previous page
 106 of 407 
Next page End 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111  

Diakons am Oetenbach, Johann Heinrich Rordorf, später Pfarrer in Augst. Ursula heiratete
den Pfarrer in Erlenbach, Johann Jakob Oeri.
Der Sohn Hans Conrad (1727-1774) war beim Tod des Vaters erst drei Jahre alt. Er wurde
Kaufmann, trat aber (1746) der Zunft zum Widder bei. Allerdings gelangte erst sein Sohn
durch diese Zunft in die Regierung. Seine Handelsbeziehungen weisen vor allem nach
Frankreich
174
. Er war dreimal verheiratet. Seine erste Gattin, Anna Maria Zimmermann, die
Tochter des Prof. Theol. Jakob Zimmermann, starb nach der Geburt eines Kindes. Auch seine
zweite Gattin, Anna Maria Hauser, die Tochter des Hauptmanns Hans Jakob Hauser in
Stadelhofen, verlor er nach kurzer Ehe. Seine dritte Gattin, Anna Füssli, war die Tochter des
Ratsherrn Moritz Füssli zum Küraß. Nach dem Tode seines Schwiegervaters erbte Conrad
Pestaluz 1770 dessen Schild auf dem Schneggen. Von diesem Jahre an ist die Familie
Pestalozzi ununterbrochen in dieser vornehmen Gesellschaft des alten Zürich vertreten. Auf
dem «Schneggen»‚ dessen Mitgliedschaft sich in der Regel in der Primogeniturordnung
vererbt, waren die Vertreter der regierenden Familien vereinigt. Seine Mitglieder genossen
im alten Zürich gewisse Privilegien, die sonst nur dem Stadtadel zukamen. Der Schild Nr.5,
bis dahin der Familie Füssli zum Kiel, wurde 1770 der erste Pestaluzenschild.
Der älteste Sohn Conrads, Hans Jakob Pestaluz-Römer (1755-1811), begann eine
vielversprechende Laufbahn. Er war Kaufmann und wurde Sensal. Er avancierte 1782 zum
Hauptmann. Das Geschäft im «Trauben» hielt aber den hereinbrechenden Stürmen der
1780er Jahre nicht stand und brach 1786 zusammen. Hans Jakob Pestaluz mußte Zürich
verlassen
175
. Er erhielt vom Familienfonds ein Viatikum von 6 Louis d‘or und begab sich nach
Paris, wo er alle weltgeschichtlichen Umwälzungen der folgenden Jahre miterlebte und 1811
starb. Seinen ererbten Schneggenschild hatte er an seinen Vetter Ratsherr Johann Jakob
Pestaluz in der Froschau übertragen.
Der jüngere Bruder,
Hans Conrad Pestaluz-Scheuchzer
(1757-1801), aus des Vaters zweiter Ehe,
hatte sich der richterlichen Laufbahn gewidmet. Er wurde nacheinander Neurichter (1781),
Mittelrichter (1784), Stethrichter (1785) am Stadtgericht. Im Militärdienst wurde er (1784) zum
Kriegskommissar ernannt. Die Zunft zum Widder wählte ihn 1785 zum Zwölfer und damit
zum Mitglied des Großen Rates. Er gab dieses Amt jedoch schon im folgenden Jahre auf, da
er für seinen unglücklichen Bruder Bürgschaften übernommen und sich daher mit den
Gläubigern hatte vergleichen müssen. Als angesehener Bürger blieb er aber in bürgerlichen
Ehren und behielt seinen Platz an der Zunfttafel
176
. Von seiner Frau, Catharina Scheuchzer,
der Tochter des Rats- und Bauherrn Hans Jakob Scheuchzer-von Steiner, hatte er zwei
Töchter. Anna Maria (1783-1860) war die Gattin des späteren Stadtrates Heinrich Meyer
(Hirschenmeyer) von Stadelhofen. Anna Barbara (1785-1864) hatte Hans Conrad Hirzel,
Gutsbesitzer im «Traubenberg», geheiratet. Dieser war hervorragender Kavallerieoffizier in
französischen und englischen Diensten gewesen und wurde später, nachdem er sich bei der
Verteidigung Zürichs hervorgetan hatte, ebenfalls Stadtrat in Zürich.
Das Haus zum Trauben war in den 1790er Jahren in andere Hände übergegangen.
                                                
174
Staatsarchiv Zürich, Ratsurkunden B V, Bd. 133, S.l3 (1.11.1754).
175
Staatsarchiv Zürich, Ratsmanual 1009, S.40 (3.6.1786) und 1012, S.7 (1.7.1786).
176
Staatsarchiv Zürich, Ratsmanual 1012, S. 7 (1.7.1786), S. 12 (8.7.1786), 1014, S.88 (19.3.1787);
Stadtgerichtsbücher B Vl, 186, S.111 (2.5.1786) und S.113 (4.5.1786).
Previous page Top Next page