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veranlaßte ihn, zeitweise seine angestammte Branche aufzugeben und sich am gemeinsamen
Buchhandel zu beteiligen
179
. Die Buchdruckerei Bodmer an der Peterhofstatt hatte schon dem
Großvater Johann Jakob Bodmer (I.) gehört und war nach dessen Tod 1629 von seiner Witwe
Dorothea geb. Pestaluz, der jüngsten Tochter unseres Stammvaters, weitergeführt worden,
bis ihre Söhne mündig waren. Der Sohn Johann Jakob Bodmer (II.) war 1676 gestorben und
dessen Bruder Zunftmeister und Bergherr Heinrich (I.) Bodmer starb 1689. So stand der
jüngere Heinrich (II.) Bodmer im Alter von erst zwanzig Jahren allein in diesem Geschäft,
und es lag nahe, daß sein Schwager Hans Rudolf Pestaluz zum Mohrenkönig ihm beistand,
war doch die Familie Pestaluz seit fünfundsiebzig Jahren verwandtschaftlich mit dieser
Drucker- und Verlegerfamilie verbunden. Die Druckerei erfreute sich als erste am Platz einer
Anzahl obrigkeitlicher Privilegien; sie gab eine Reihe schöner Bibeldrucke heraus. Um jene
Zeit verlegte die Bodmersche Druckerei auch die Werke des berühmten Naturforschers und
Wiederentdeckers der Alpenwelt, Dr. med. Johann Jakob Scheuchzer. Heinrich (II.) Bodmer
wurde 1712 General und Befehlshaber über die Zürcher und Berner Truppen im Feldzug
gegen den Fürstabt von St. Gallen, als der andere Schwager Hans Rudolf Pestalozzis
Festungskommandant auf der Forsteck war. Später aber wurde Bodmer der Obrigkeit
unbequem als unerschrockener Führer der unzufriedenen Bürgerschaft, deren Bewegung zur
Verfassungsänderung von 1713 geführt hatte, und hauptsächlich als Vorkämpfer für die
Abschaffung der Bücherzensur. Er sah sich veranlaßt, die Druckereiunternehmung 1719 zu
verkaufen. Damit kehrte auch Hans Rudolf Pestaluz wieder zum Seidenhandel zurück, und
seit 1721 erscheint er mit seinen Seidenexporten wieder in der Zollrechnung.
Die Töchter Hans Rudolf Pestaluz-Bodmers hatten in zürcherische Patrizierfamilien
geheiratet. Anna Barbara war die Gattin des Kaufherrn Heinrich von Muralt. Als Witwe
heiratete sie Landrichter Johannes Hegner von Winterthur. Die zweite Tochter, Catharina,
wurde die Gattin des Kaufmanns Hans Rudolf Kilchsperger; die dritte, Anna Magdalena,
vermählte sich mit dem Goldschmied Hauptmann Hans Conrad Oeri. Der Mann der jüngsten
Tochter, Küngolt, war Oberst Johann Conrad Lochmann zum Glas, der, einer militärischen
Tradition seiner Familie folgend, Offizier in venezianischen Diensten gewesen war und 1743
als eidgenössischer Kriegsrat in Genf wirkte. Er wurde 1758 Amtmann im «Kappelerhof».
Die beiden Söhne führten das väterliche Geschäft unter der Firma «Heinrich Pestaluz und
Cie. zum Mohrenkönig» weiter.
Heinrich Pestaluz
(1697-1755) war verheiratet mit Anna
Magdalena Hess, der Tochter des Kaufmanns Franz Hess zum Goldstein. Er wohnte nicht
selbst im «Mohrenkönig», sondern im Haus zum Streit an der Froschaugasse, dem
Nachbarhaus des Pestaluzischen Stammhauses zum Brünneli. In seinem Geschäft erlebte er
allerhand Enttäuschung. So mußte schon 1728 «Herr Hans Heinrich Pestaluz bey dem
Mohren-König» ein größeres Guthaben abschreiben, weil sein Schuldner Hauptmann Hans
Caspar Schärer in ein Land verschwunden war, das schon damals für Rechtsbegehr
unerreichbar war, denn es hieß von ihm, daß er «dermahlen sich in Moscovia aufhalten
solle»
180
. Nicht viel glücklicher war Heinrich Pestaluz, als er sich auf den Handel mit
Drogeriewaren verlegte
181
. 1745 mußte er seine Firma aufgeben und nach den damaligen
                                                
179
P. Lehmann-van Elck, Druck, Verlag, Buchhandel im Kanton Zürich, in Neujahrsblatt Antiquarische
Gesellschaft, Zürich 1950, S.28. A. Largiadèr, Die Ahnentafel Johann Jakob Bodmers, in Schweiz. Archiv für
Heraldik, XLII, 1928, S. 145-159.
180
Staatsarchiv Zürich, Stadtgerichtsbücher B VI, 128, S.90 (1.12.1728).
181
Staatsarchiv Zürich, Stadtgerichtsbücher B VI, 144, S.71(6.10.1744).
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