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Zürich niedergelassen hatte, pflegte er die Beziehungen mit Italien. Als 1760 zwei
Geschäftsführer der Familie in Bergamo starben, Heinrich Pestaluz-Orell vom Brünneli und
Hans Conrad Pestaluz aus dem Brunnenhof, sah er sich veranlaßt, einen längeren Aufenthalt
in Bergamo zu machen. Es versteht sich von selbst, daß er das Andenken an seine
anregenden Aufenthalte im Venezianischen der Barockzeit auch in Zürich weiterpflegte und
zu den Gründern der lebensfrohen Gesellschaft im «Venedigli
»‚
der Società di San Marco,
gehörte.
Tafel 049 - Pestalozzi-Hess von Nürenstorf
Eine erste Anregung aus Italien suchte er für sein Geschäft nutzbar zu machen. Er unternahm
mit behördlicher Unterstützung Versuche im Seidenbau und pflanzte im Selnau
Maulbeerbäume. Seine Versuche setzte er von 1 750 bis 1786 fort. Diese Versuche, die schon
früher von anderen begonnen und später immer wieder aufgenommen wurden, führten nicht
zum Ziel. Das Haus zum Steinbock diente ihm nicht nur als Wohnung, sondern auch als
Geschäftshaus. «Er hat das weitläufige und bequeme Gewerbshaus zum Steinbock gekauft,
selbigs schön und kostlich erneuert und zum Fabricieren wohl eingerichtet.» Noch sieht man
die Sandsteinplattengeleise, die damals nach oberitalienischer Art bei dem Ziegelpflaster des
Hausflurs nötig waren für die schwereren Wagen, die da ein- und ausfuhren. Auch im
Hinterhof dieses Hauses legte er an Maulbeerspalieren eine Seidenraupenzucht an.
Seine Ausbildung in alten Sprachen und Literatur, die damals in Zürich für die oberen
Schichten der Bürgerschaft eine Selbstverständlichkeit war, weckte sein Interesse für das
Altertum, und bei dem auf das Reale veranlagten Kaufmann wirkte es sich aus in einer
Sammlung römischer Münzen. Den Grund hiezu legte er während seines Aufenthaltes in
Italien. Die Sammlung wuchs zu einer wertvollen finanzgeschichtlichen Rarität. Hundert
Jahre später schenkte sie sein Enkel der Stadtbibliothek. Das Interesse an der Numismatik hat
sich in seiner Familie vererbt, und einer seiner Nachkommen wurde Münz- und
Währungssachverständiger.
Es entsprach einem Zug der Aufklärungszeit, daß auch der Landbau ins Blickfeld der
Forschung trat. Auch hiefür war Zürichs Bürgerschaft lebhaft interessiert, und auch auf
diesem Gebiet tat Johann Jakob Pestaluz die ersten tastenden Schritte. Als er in Oerlikon von
einem Schuldner ein Gütchen hatte übernehmen müssen, benützte er die Gelegenheit, um
verschiedene Versuche im Landbau zu unternehmen. Auch für die Familie machte er neue
Anregungen.
Seiner Initiative ist die Gründung des Familienfonds 1750 zu verdanken. Dabei ging er in
seiner ursprünglichen Anregung, die in einer sorgfältigen, sehr detaillierten Denkschrift
niedergelegt ist, zum erstenmal von einem versicherungsähnlichen Gedanken aus, der eine
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