«Massénasche Emprunt».
Der eingesetzten Kontributionskommission gehörte Salomon Pestalozzi als jüngstes Mitglied
an. Ihm fiel dabei die undankbare Aufgabe zu, mit der Zeichnungsliste von Haus zu Haus zu
gehen. Mit der Würde eines Vertreters des ancien régime unterzog er sich dieser widrigen
Pflicht. Er fand aber bei vielen Patrioten Verständnis und Solidaritätsgefühl. Sein Schwager
Oberst Melchior Römer leistete den größten freiwilligen Beitrag, Salomon Pestalozzi selbst
zahlte die große Summe von 2500 Gulden
194
. Noch mehr wurde er aber geschädigt durch den
Krieg des folgenden Jahres, als sein Landgut in Oerlikon, wo sein Vater seine
landökonomischen Versuche betrieben hatte, verwüstet wurde. Sein Vater hatte 1770 den
sogenannten «Bläsierhof» in Oerlikon gekauft, der ein halbes Jahrtausend, seit 1272, dem
Kloster St. Blasien im Schwarzwald gehört hatte. Zum Hof gehörten etwa hundert Jucharten
Land und die uralte sogenannte «Dörflilinde» von Oerlikon. Das Gebäude heißt darum heute
«Lindenhaus». Bei der ersten Schlacht bei Zürich am 4.Juni 1799 gingen die Gebäulichkeiten
in Flammen auf. Später baute Salomon Pestaluz das Gut wieder neu auf und behielt es als
Sommersitz bis 1 824
195
. Schon 1803 wurde er wieder in den Großen Rat gewählt. Und nach
der Rückkehr ruhiger Zeiten in der Periode der politischen Restauration wurde er 1815
neuerdings Mitglied des Großen Rates (heutigen Kantonsrates) und 1816 auch des Größeren
Stadtrates. Er bekleidete diese Ämter bis etwa 1832. Seiner eigentlichen Neigung entsprach
aber eine weniger augenfällige Tätigkeit für die Allgemeinheit. Schon 1794 war er zum
Mitglied der Aufsichtskommission über den Spital, die sogenannte «Spitalpflege», gewählt
worden. Hier übernahm er die Beaufsichtigung der inneren Verwaltung, die ihm Gelegenheit
gab, sich nicht nur mit den Beamten und Angestellten zu befassen, sondern auch mit den
Insassen des Krankenhauses, des Irrenhauses und der Hauskinderabteilung. Beinahe vierzig
Jahre, bis 1831, fand «Spitalpfleger Pestalozzi» hier ein ihm zusagendes Tätigkeitsfeld. Bei der
Trennung von Stadt und Kanton war er es, der Ordnung in die finanziellen Verhältnisse der
Spitalverwaltung brachte und den Stadtspital-Legatenfonds ins Leben rief und äufnete. Dem
gleichen Bedürfnis nach praktischer Betätigung der christlichen Fürsorge entsprach auch
seine fünfunddreißigjährige Tätigkeit in der Kirchenpflege -
dem «Stillstand» -
der
Predigergemeinde. Er lehnte es ab, der neugegründeten Hülfsgesellschaft beizutreten, da er
mehr im stillen den Armen und Bedrängten helfen wollte, half aber 1812 die
«Bibelgesellschaft» gründen. Als guter Kaufmann wurde er deren eifriger ökonomischer
Verwalter. Seine christliche Frömmigkeit fand in solcher wenig beachteter Betätigung ihren
praktischen, aufs Reale gerichteten Ausdruck.
Eine solche Natur findet ihren Rahmen in einer patriarchalischen Umgebung. Vor uns liegt
die Ansprache, die Salomon Pestalozzi an seinem fünfzigsten Hochzeitstag an seine
zahlreiche Familie gehalten hat, die im «Steinbock» um ihn versammelt war. 1776 hatte er
sich mit Dorothea Schinz aus der Glocke, der Tochter Hans Rudolf Schinz-von Muralts,
vermählt. Zweiundsechzig Jahre lebte das Ehepaar zusammen.
Elf Kinder waren ihm geschenkt, von denen drei im zarten Alter starben. Drei weitere Söhne
starben vor den Eltern, nämlich Hans Jakob (1778-1791), der als Jüngling eine der damals
üblichen Schweizer Reisen unternommen hatte und bei Aarau in der Aare ertrunken war; ein
zweiter, Johann Jakob (1792-1814), und der jüngste, Johann Rudolf (1800-1821).
194
Zürcher Taschenbuch 1921, S.44/45.
195
Mitteilung von Sekundarlehrer Heinrich Wydler in Zürich-Oerlikon (vom 19.11.1940).