Stammvaters, die Franziskus-Linie, ausgestorben. Denn auch seine zweite Ehe mit Cleophea
von Orelli (1750-1820) ist kinderlos geblieben.
Trotz der Wirren der damaligen kriegerischen Zeit faßte diese mutige und geschäftstüchtige
Frau den Entschluß, die Leitung des Geschäftes selbst zu übernehmen. Sie führte in
schwieriger Zeit, in der manches Geschäft und manche Firma untergegangen ist, das Haus
zum Thalhof mit Umsicht und Erfolg, sie sorgte für die Heranbildung tüchtiger
Geschäftsführer. Ihr ist es zu verdanken, daß dieses Haus noch neunzig Jahre den Namen
«Pestalozzi im Thalhof» in Ehren führte. Die Seidenfirma brachte 1805 mit einer raffinierten
Färbetechnik geflammte Tücher heraus, die reißend Absatz fanden, vor allem in
Süddeutschland, und daher den Umsatz erheblich steigerten. Die weitsichtige und kluge
Frau, die keine eigenen Nachkommen hatte, ließ ihre beiden Neffen Johannes und Hans
Konrad von Orelli sorgfältig ausbilden. Sie ermöglichte ihnen, ihre im «Thalhof» erworbenen
soliden kaufmännischen Kenntnisse auf großen Reisen zu erweitern. So konnte sie bei ihrem
Tode diesen beiden Neffen das Seiden- und Bankhaus zum Thalhof getrost übergeben. Ihre
Nachkommen führten das Haus bis auf den heutigen Tag. Erst 1891 wurde der ursprüngliche
Firmenname «Pestalozzi im Thalhof» aufgegeben. Das heutige Geschäft «Orelli im Thalhof»
konnte 1937 die seltene Feier des hundertfünfzigjährigen Bestehens feiern.
Wolkenstein
205
Das Zürcher Altstadthaus, das zuletzt -
und auch nur für kurze Zeit -
in den Besitz der
Familie Pestalozzi gekommen ist, von dem aber ein sehr zahlreicher Zweig der Familie
entsprossen ist, war der «Wolkenstein» oben an der Kirchgasse.
Der jüngste Sohn Heinrich Pestaluz-Orellis im Brünneli (1714-1760),
Hans Rudolf Pestaluz
(1752-1787), hatte wie seine beiden älteren Brüder sich ebenfalls dem Kaufmannsstande
zugewandt.
Tafel 059 - Pestalozzi-Ulrich Wappen
Er wohnte nach seiner Verehelichung mit Anna Elisabeth Ulrich zunächst im Hause zum
großen Christophel, dem Nachbarhaus des «Brünneli». Daneben besaß er ein Landgut in
Höngg
206
. Im Militärdienst wurde er 1784 durch die Übertragung des Kommandos über die
Freikompagnie Nr.2 im Quartier Elgg ausgezeichnet
207
. Die Freihauptleute waren den
übrigen Hauptleuten vorangestellt. Er stand «durch seine wohltätige Denkungsart in
verdienter Achtung» bei seinen Mitbürgern. Das war auch der Grund der besonderen
Rücksichtnahme des Geheimen Rates, als Hans Rudolf Pestaluz infolge einer langen
205
Stammtafel 27
206
Staatsarchiv Zürich, Ratsmanual 1012, S.60 (27.9.1786), S.7, 8, 89, 96 und 106.
207
Staatsarchiv Zürich, Ratsmanual 1002, S.75 (3.3.1784).