Navigation bar
  Home Print document Start Previous page
 133 of 407 
Next page End 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138  

Schatz nicht um sich gehabt hätte. Er war wirklich sehr artig und lustig. Gegen zwey
Uhr saß man zu Tische. Es wurden während dem Essen dem alten Herrn im Brünneli
von Herrn Professor u. Herrn Direktor, hinter Zäunen, Lebehoch ausgebracht. Herr
Helfer brachte den vier letzten Seignoren, worunter auch der Papa ist, ein Lebehoch in
Versen aus. Herr Pestalozzi im Schinnhut hatte auch ein Lied zur Erhebung der Famille
und ihrer Stifter gemacht, das nach dem Essen nach der Melodie „Freut euch des
Lebens“ gesungen wurde. Da Herr Ziegler dasselbe, ich glaube unentgeldlich gedruckt
hatte, legte man jedem ein Exemplar auf den Teller.
Nach dem Essen, ich denke es war etwa 6 Uhr ging man nun ins Theater, d. h. man
besichtigte in demselben die Maschinerien zu Decorationsveränderung, donnerte und
blitzte und hagelte ganz abscheulich. (Sechs Monate vorher, am 10.November 1834, war
das Zürcher Stadttheater beim Casino eröffnet worden und bildete damals naturgemäß
einen starken Anziehungspunkt für die Zürcher Jugend.) Die Donnermaschine ist eine
sechseckige Kiste, an einer Welle, ungefähr von folgender Gestalt.
Was hier schraffiert ist, ist von Trommelfell. Inwendig sind große Steine. Wird nun die
Kiste herumgetrieben, so fallen die Steine auf das Trommelfell u. erzeugen dadurch den
Donner. Der Blitz ist noch viel einfacher nachzumachen, die Maschine besteht bloß aus
einem Seile, das durch viele kleine u. dünne Brettchen gezogen ist, die durch Knoten
von einander in einiger Entfernung gehalten werden. Das Seil wird nun in die Höhe
gezogen u. fallen gelassen. Abends wurde nun getanzt, dann hatte man noch ein
Nachtessen, u. gegen zwölf Uhr ging man nach Hause.»
Dem großen Familienfest war zehn Tage vorher, am 20.April 1834, eine Feier in der engeren
Familie des neunzigjährigen Jubilars vorangegangen, deren Andenken in einer gedruckten
Schrift festgehalten ist. Frau Nanny Pestalozzi (1822-1907), die Tochter des Pfarrhelfers
Johannes Pestalozzi-Römer und nachmalige Gattin des Pfarrers Carl Pestalozzi, des
Empfängers des angeführten Briefes, hat in ihren Jugenderinnerungen, die sie im
fünfundsechzigsten Lebensjahr niederschrieb, sich an diese beiden Feste erinnert. Sie war
damals ein dreizehnjähriges Mädchen:
«Auf den 30.April (1835) war ein größeres Fest der Pestalozzischen Familie festgesetzt.
Zu Ehren des alten, 90jährigen Herrn Pestalozzi im Brünneli wurde von dessen Familie,
Kindern, Enkeln, Urenkeln, Neffen und Nichten ein Fest im engem Familienkreis
gefeiert, das dem großen vorausging und an welchem Papa und Mama als Neffe und
Nichte teilnahmen, Mama im neuen grünen Kleide, auf das wir Kinder ganz stolz waren.
... Mit Freuden nahm Mama dann am Feste teil, selbst der kleine Hans (geb. l6.März
1835) wurde im Kissen hingetragen. Wir Kinder waren ganz außer uns; nach dem
Mittagessen ging man das neugebaute Theater anzusehen, man ließ für uns donnern,
nachher spielten wir Kinder auf dem Casinoplatz Ball mit Orangen, diese sollten das
Land anzeigen, von dem wir stammten - kurz, just bescheiden waren wir nicht.»
Tatsächlich waren die Orangen, die man zu diesem Fest hatte kommen lassen, damals, lange
vor der Eröffnung der Gotthardbahn, noch eine seltene Delikatesse. Noch die Tochter der
oben erwähnten Frau Ziegler-Pestalozzi hat uns erzählt, daß in ihrer Kindheit von diesen
Früchten jeweils nur einzelne Schnitze verteilt worden sind.
Nach vier Jahren, am 5.Dezember 1839, vereinigte sich die Familie wieder, diesmal im Hotel
Baur. Das Fest wurde nach altehrwürdiger Christensitte durch ein Tischgebet des Diakon
Previous page Top Next page