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den Borgo mit der Kirche San Sebastiano del Castello. In diesem Borgo ist in einer nächsten
Urkunde ein Pestalozza als wohnhaft bezeugt. Die Einwohner Gravedonas teilten sich in
Adel und Bürger und unterschieden sich von den Vicini und Landleuten der Umgebung. Die
vollberechtigten Bürger von Gravedona waren in mancher Beziehung denen der mächtigen
Stadt Como gleichgestellt. Zu welcher Klasse die ersten Pestalozza, die diesen
Geschlechtsnamen trugen, gehörten, ist nicht erwiesen. Nur indirekt läßt sich aus späteren
Urkunden ableiten, daß sie gesellschaftlich den Angehörigen adeliger Familien gleichgestellt
waren. Es war übrigens die Zeit, da seit Anfang des Jahrhunderts der ländliche Feudaladel
im comaskischen Gebiet verschwand und in den Städten seßhaft wurde. So waren z. B. auch
die Güter des bedeutendsten Adelsgeschlechtes der Gegend von Gravedona, der della Torre,
in den Besitz des Kapitels von San Vincenzo gekommen2.
Etwas anderes erfahren wir noch aus dieser Urkunde, nämlich, daß die Kinder des Gubertus
Pestalozza Land gepachtet hatten, Wiesen und Ländereien, und daß sie dieses Land
bestellten. Es lag in der Ebene bei Gravedona, also im Delta des Baches Liro, der vom
Joriopaß herunterrauscht, von der Höhe, über die der direkte Weg nach Bellinzona führt. Wie
lange diese landwirtschaftliche Betätigung schon dauerte, läßt sich nicht feststellen, denn in
dem früheren Verzeichnis der Pächter der Kollegiatskirche von San Vincenzo aus dem Jahre
1219 ist kein Pestalozza enthalten. Die Liste ist allerdings auch nicht vollständig erhalten. Die
Pestalozzi waren keine abhängigen Lehensleute der Kirche, sondern Pächter eigenen Rechtes.
Das zeigt sich schon darin, daß die Kirche ihnen Darlehen schuldig war und ratenweise
Zahlungen leisten mußte.
Das Darlehen war - offenbar längere Zeit vor dem Jahre 1254 - von Grabadonus Pestalozza dem
Kapitel zu San Vincenzo gegeben worden, möglicherweise aber schon von seinem Vater, da
ein Teil der Forderung seinem Bruder Gubertus Pestalozza zustand. Wenn wir uns
vorzustellen versuchen, wozu die Geistlichkeit dieses Geld gebraucht haben mag, dann sehen
wir, daß gerade damals, am Ende des 12. und am Anfang des 13.Jahrhunderts, zu San
Vincenzo großartige Kirchenbauten errichtet worden waren. Es war die Blütezeit der
romanischen Stil-Epoche. Die Kollegiatskirche selber wurde als dreischiffige romanische
Basilika vollkommen neu aufgebaut. Heute sind davon nur noch an einer Längsmauer die
ursprünglichen Ornamente und Fenster sichtbar. Gleich daneben errichteten die
Gravedonesen über einer frühchristlichen Taufstelle ihr wundervolles Baptisterium. Vier
mächtige Rundbögen geben diesem architektonischen Juwel die Form eines griechischen
Kreuzes. Innen wird der Raum erhöht durch zierliche romanische Galerien, und der feierliche
Eindruck wird verstärkt durch die Wechselwirkung von hellem und dunklem Stein. In
diesem prachtvollen Tempel im ersten Jahrhundert seines Bestehens sind alle Pestalozzi-
Kinder getauft worden. Dieser, später Madonna del Tiglio genannte, Bau ist ein Denkmal der
Glanzzeit Gravedonas am Ende des l2.Jahrhunderts. Es ist aber auch verständlich, daß die
Kirche deswegen Schulden hatte und diese erst im Lauf der folgenden Jahrzehnte abzahlte.
Eigenartig klingt auch der Eigenname des Grabadonus Pestalozza. Wenn ihm seine Eltern als
Taufnamen kurzerhand den Namen ihrer Heimatstadt Gravedona (lateinisch Grabadona)
gegeben haben, so klingt daraus doch ein starker Stolz auf ihre Stadt. Der Name kommt als
Rufname in den Hunderten von Urkunden nur noch ein einziges Mal vor (1295 Grabadonus
filius quond. Ser Habundii de Sabbato). Der Stolz auf die Stadt Gravedona war aber auch
                                                
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Zecchinelli, a.a.O., S. 57 und 78, Nr. 203
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