Navigation bar
  Home Print document Start Previous page
 149 of 407 
Next page End 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154  

 149
Wir wissen wenig mehr von ihm. Er erlernte die Chirurgie, und als Wundarzt trat er der
Gesellschaft der Ärzte zum Schwarzen Garten bei, womit er der Zunft zur Schmiden
angehörte. Sein Beruf scheint sein Leben nicht voll ausgefüllt zu haben. Er versuchte sich in
dieser und jener Nebenbeschäftigung. So erfahren wir aus dem Jahre 1745, daß Herr
Chirurgus Pestaluz Gelegenheitsgeschäfte mit dem Verkauf von «etwas Muskateller» machte,
wofür er das Weinumgeld entrichten mußte
222
. (Also ein Gelegenheitsgeschäft, wie schon
einer seiner frühesten Vorfahren im Jahre 1324 ein ähnliches gemacht hatte!) Ein anderes Mal
trug er sich mit dem Gedanken, sich an einem Geschäft zur Seidenfabrikation zu beteiligen
(1748). Dieses Geschäft, durch das Johann Baptist Pestaluz als Stadtbürger seinen Namen
hergeben wollte, um seinem Schwager Weber die Errichtung einer eigenen Firma zu
ermöglichen, was diesem als Untertan nicht erlaubt war, kam aber nicht zustande, weil gute
Freunde den Chirurgen rechtzeitig auf das Gefährliche eines solchen Schachers mit seinem
Namen aufmerksam machten
223
. Schließlich entschloß er sich, eine Tätigkeit bei der
Staatsverwaltung zu ergreifen. Er richtete (29.Februar 1751) an den Bürgermeister das
Gesuch, ihm Zutritt und Beschäftigung auf der Unterschreiberkanzlei zu gewähren, «nebst
Überlegung meiner Burgerlichen pflichten, und Eignem Verlangen, meinen vilen müsigen
Stunden fürohin eine bessere anwand zu verschaffen». Dem Gesuch wurde vom Rat am
3.März 1751 stattgegeben
224
:
« Mn. Gn. Hr. haben nachbenannten dreyen Herren und Burgern
Hrn. Joh. Heinrich Meister
Hrn. Joh. Baptista Pestaluz und
Hrn. Salomon Esslinger als wackeren und tüchtigen Subjectis den Zugang in Dero Statt-
Unterschreiberey ehrerbiethigst suppliciter maaßen gnäd. bewilliget.»
Damit hatte der Vater Heinrich Pestalozzis den ersten Schritt getan, der die Aussicht auf eine
erfolgreiche Beamtenlaufbahn eröffnete. Doch das Schicksal versagte diesem Familienzweig
während Generationen jeden bürgerlichen Erfolg. Baptista Pestaluz starb schon im folgenden
Sommer, am 30.Juli 1751.
Er hinterließ eine Witwe und vier Kinder. Am 11.Dezember 1742 hatte er Susanna Hotz von
Wädenswil (
a 1720, ? 27.M
ärz 1796) geheiratet
225
. Sie entstammte einer Bauernfamilie vom
Zürichsee. Sozialer Aufstieg und jede Betätigung außerhalb der Landwirtschaft oder der
industriellen Heimarbeit war diesen Landleuten unendlich schwer gemacht. Trotzdem nahm
die Familie Hotz einen ungeahnten Aufschwung und konnte im Laufe des 18.Jahrhunderts
die sozialen Fesseln sprengen. Susannas Großvater war in Wädenswil seßhaft, ist aber in der
Fremde, in Flandern, gestorben. Ihr Vater, Hans Jakob Hotz (1653-1732), hatte in Marburg das
Barbierhandwerk erlernt und machte sich in der Heimat als Chirurg einen Namen. Damit
hatte er sich auch eine der wenigen Pforten zu sozialem Emporkommen geöffnet. 1692
erlangte er sogar die Hand der Landvogtstochter von Wädenswil aus dem Junkergeschlecht
der Escher vom Luchs, Herren auf Kempten, Greifenberg und Werdegg. Aus seiner dritten
Ehe mit Barbara Haab von Wädenswil entsprossen zahlreiche Nachkommen, hauptsächlich
Chirurgen und Ärzte. Susanna Hotz war seine jüngste Tochter. Zu hoher Berühmtheit haben
es ihre beiden Neffen gebracht:
                                                
222
A. Corrodi-Sulzer, Das Geburtshaus Heinrich Pestalozzis, in Neue Zürcher Zeitung, 1924, Nr. 1721.
223
A. Corrodi-Sulzer, Heinrich Pestalozzis Beziehungen zur Zürcher Seidenindustrie, in Zürcher Taschenbuch 1926,
S.88.
224
Staatsarchiv Zürich, Ratsmanual 870, S.80 (3.3.1751).
225
Die folgenden Angaben sind den Kirchenbüchern von Wädenswil und den Bevölkerungsverzeichnissen
1634 bis 1708 (Staatsarchiv Zürich, Abt.E II) entnommen.
Previous page Top Next page