große Zahl hervorragender Geister hervor wie keine andere Stadt von gleich kleiner
Einwohnerzahl. Es muß daher nicht wundern, wenn die meisten Freunde und
Altersgenossen Pestalozzis in die Geschichte eingegangen sind, so Johann Caspar Lavater, so
Hans Heinrich Füssli (der «Obmann») als Staatsmann und Geschichtsforscher, so der andere
Johann Heinrich Füssli als Maler, so noch andere. «Wie viele meiner Freunde sind weiser und
besser als ich !» und «Ich bin stolz auf meine Freunde !» so rief er aus. 1763 war er in die
oberste Stufe der zürcherischen Schulen, ins Carolinum am Großmünster, eingetreten, wo er
in den Kreis geistiger Anregungen gelangte, wie sie damals nur wenige Schulen Europas
bieten konnten.
Im Protokoll der Familie Pestalozzi ist unter dem 3.November 1762 vermerkt
231
:
«Ward auf höfliches Ansuchen des Wohlehrwürdigen, Hoch- und Wohlgelehrten Herrn
Decani Pestalutzen zu Höng für seine beiden Sohnssöhne zum Rothen Gatter einhellig
eine Gratification von fl.40 für dißmahl eingewilliget und übergeben.»
«den 7. September 1765 ist obige Gratification. ... für 2 Jahre mit fi. 80 bezahlt worden.»
«den 9. Oktober 1767 ist obige Gratification mit fl.80 bezahlt worden.»
Der erste Erziehungsbeitrag, der aus dem neugegründeten Familienfonds ausgerichtet
wurde, ist somit Heinrich Pestalozzi und seinem Bruder Baptist zugekommen.
Zu gegebener Zeit trat auch Heinrich Pestalozzi formell dem Familienverband bei und
unterzeichnete eigenhändig das Protokoll
232
.
«Nachstehende Herren sind den 23.Juni 1780 bey Herrn Pestalutz bym Steinbok zum
Ersten Mahl bey dem Congreß erschienen:
H. Conrad Pestalutz vom Brünneli (17451838)
J. H. Pestalozzi (Er ist der einzige, mit Ausnahme des 1760 eingetretenen, aus der
Fremde heimgekehrten Jean Henri Pestalozzi (1734-1771), der sich schon damals
unter der italienischen Form seines Namens eintrug.)
Hans Jacob Pestaluz vom Brünneli (1749-1831, der spätere Staatsrat)
Hans Rudolf Pestaluz vom Brünneli (1752-1787)
Sal. Pestaluz zum Steinbock (1753-1840)
Jacob Pestalutz vom Trauben (1755-1811)
Conrad Pestalutz vom Trauben (1757-1801).»
V.
In der Gesellschaft der jünger Bodmers, bei den «Patrioten» in der «Gerwe», hat Pestalozzi
seine ersten erzieherischen Gedanken geäußert. In dem im «Lindauer Journal» erschienenen
Aufsatz «Agis» sprach er zum erstenmal seine Sorgen über die politischen Zustände aus. Als
sein Freund Müller eine politische Satire, das «Bauerngespräch»‚ veröffentlichte, wurde auch
Pestalozzi in die hochnotpeinliche Untersuchung der Behörden einbezogen und mußte der
öffentlichen Verbrennung der «Schandschrift» beiwohnen. Wegen seiner Mitwisserschaft
wurden er und drei weitere Studenten «zu bezahlung der während ihrem Arrest auf dem
231
Protokoll des Familienfonds Pestalozzi (Zentralbibliothek Zürich) zum Jahr 1762.
232
Ebenda, zum Jahr 1780.