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treue Helferin gefunden. Sie war eine edle, gute Seele, an der der Bruder mit großer Liebe
hing.
Sie wirkte auf dem «Neuhof» bis zu ihrer Vermählung am 7.April 1777 mit Christian Gottlob
Gross (1739-1807) in Leipzig, dem Associé ihres Onkels Johann Heinrich Weber-Hotz. Ihre
Kinder blieben alle in Deutschland. Ihr Sohn, Johann Carl Gross, geb. 1778, wurde Dr. iur.
Und Justizrat in Dresden, der zweite, Johann Wilhelm Gross, geb. 1779, wie sein Vater
Kaufmann in Leipzig, und ihre Tochter, Christine Charlotte, geb. 1781, heiratete den Pastor
Caspari in Zschortau, Sachsen
237
. Pestalozzi hat seine Schwester 1792 in Leipzig besucht.
Aber auch sein Bruder, Johann Baptist Pestalozzi (geb. 1745), war damals fast ein Jahrzehnt
lang auf dem «Neuhof». Er hatte als Kaufmann ein unstetes Leben geführt und scheint sich
auf dem «Neuhof» als eine Art kaufmännischer Leiter der Baumwolispinnerei in der
Armenanstalt betätigt zu haben
238
. Plötzlich -
anfangs 1780 -
verschwand er und brachte
dadurch seinen Bruder in nicht geringe Verlegenheit. Sein Abschied kam in einem Brief aus
Amsterdam vom 17. Februar 1780 an Pfarrer Georg Schulthess. Darin gibt er die Absicht
kund, nach London zu reisen und dort auf einem Kriegsschiff Dienst zu nehmen. Der Brief ist
voller Gewissensbisse über das seiner Mutter angetane Leid. «Gott wie bin ich so verstört, so
verwirrt, was für ein Ende nimmt auch noch meine Lebensbahn.» Das war sein letztes
Lebenszeichen
239
.
Und wieder erschien bei Heinrich Pestalozzi eine treue Magd, Lisabeth Näf aus Kappel, die,
freiwillig gekommen, hilfsbereit im «Neuhof» wirkte. - «Prediger des Volkes in Lienhard und
Gertrud». In jenem Jahre, da er die Armenanstalt hatte aufgeben müssen, erschien das erste
kleine dichterische Werk Pestalozzis, die «Abendstunde eines Einsiedlers», doch dachte er
nicht daran, Dichter oder Schriftsteller zu sein. Aber es drängte ihn, aus dem Volk für das
Volk zu schreiben. Mit einer großen Dorfgeschichte wollte er belehren. Ohne daran zu
denken, wurde er zum Schöpfer einer neuen Literaturgattung. Von seinem treuen Freund
Isaak Iselin unterstützt, kam im April «Lienhard und Gertrud, Ein Buch für das Volk» heraus.
Das Werk machte ihn über Nacht zum berühmten Mann. Nicht nur in Bern, wo die
ökonomische Gesellschaft ihm eine goldene Medaille übersandte, nicht nur in Deutschland,
wo Fichte schrieb: «Es war eine Feuersaat: sie zündete in tausend Gemütern»‚ auch in Zürich
machte das Werk großen Eindruck. Auch die weitere Familie wollte nicht zurückstehen. Am
7.Oktober 1 781 beschloß sie, ihm eine Ehrengabe von zwölf neuen Louis d‘or «als erstem
Schriftsteller der Familie» zu überreichen. Es ist die schönste Gabe, die aus dem
Familienfonds, ungeheißen, ausgerichtet worden ist. Und der schönste Dank liegt in dem
Brief Pestalozzis an die Familienhäupter (vom l9.Juli 1781)
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:
«Das vergnügen welches dero gef. Zuschrift vom 11.dies nothwendig machen mußte,
war um so vill größer je unerwarteter die wohltätige aufmerksamkeit der ganzen
Geehrtesten Familie —
auf einem unbetrechlich Roman mir natürlich war —! desto
größer aber ist auch mein Danck für sehr unverdiente wohltath, u. wenn je etwas in
meinem Leben mich anspornen kan alle meine Kräfte aufzubieten, meine kl. Gaaben
                                                
237
Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte in Leipzig, von 1927.
238
A. Corrodi-Sulzer, Zur Biographie Heinrich Pestalozzis, im Pestalozzianum, 1924.
239
Pestalozzi und seine Zeit im Bilde, Zürich 1928, Tafel 138.
240
Familienarchiv Zürich, Zentralbibliothek, III 8 A (zwei Briefe Heinrich Pestalozzis vom 19.7.1781 und
8.10.1781).
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