IX.
«Zu Burgdorf und Münchenbuchsee Gründer der neuen Volksschule». Es bot sich ihm
Gelegenheit, zunächst als einfacher Schulmeister an der Hintersässenschule in Burgdorf seine
Methode zu proben. Hier konnte er erforschen, wie das Kind das Gelernte aufnimmt. Als
Forscher am lebendigen Menschen arbeitete er in der staubigen Schulstube. Durch seinen
unentwegten Beschützer, den Minister der Künste und Wissenschaften Philipp Albrecht
Stapfer, erhielt er die Möglichkeit, im Schloß Burgdorf eine Erziehungsanstalt zu eröffnen,
die zugleich Seminar, Schule und Waisenhaus sein sollte. Im Oktober 1800 war er endlich so
weit. Hier fand er seine ersten Gehilfen und Jünger, vor allem Hermann Krüsi, der als junger
Lehrer mit einer Anzahl bedürftiger Kinder aus dem Appenzell gekommen war. Hier führten
seine unermüdlichen Versuche zur Schaffung einer neuen Methode für die Elementarschule.
Er baute alle Erziehung auf Anschauung, Anregung und die Weckung der sittlichen
Verantwortung auf. Hier schrieb er auch seine bedeutendste Schrift über Erziehung «Wie
Gertrud ihre Kinder lehrt». In Burgdorf ist Pestalozzi der moderne Pädagoge geworden, der
Reformator des Unterrichts.
Wie einst auf den «Neuhof», so kamen jetzt von nah und fern Leute zum Studium der neuen
Lehrweise nach Burgdorf. Ein Bericht kompetenter Männer an die Regierung über seinen
Unterricht war voll Lob, was ihm einen Beitrag der Regierung eintrug. Sein Aufruf um
Unterstützung seiner Anstalt verhallte auch in Zürich nicht ungehört. Wie sich seine engere
Familie wieder um ihn gefunden hatte, so nahm auch die weitere Familie durch den
Familienverband regen Anteil, so in dem Beschluß vom 22.Februar 1803, der auf Ansuchen
des Herrn Pestaluz zu Burgdorf um einen «Beitrag zu seinem Etablissement des bekannten
Erziehungs Instituts», ihm den Betrag von 100 Gulden verehrte «für seine vielfaltige
Bemühung zur Äufnung seiner gemeinnützig wohltätigen Absichten», so in dem weiteren
Beschluß, auf zehn Exemplare seiner sämtlichen Werke zu abonnieren
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.
Zum Stabe seiner Schule hatten sich inzwischen bedeutende Männer gesellt, wie Johannes
Niederer, Johannes von Muralt. Aus der Schule selbst gingen künftige Mitarbeiter hervor,
Joseph Schmid und Johannes Ramsauer.
Die Stadt Zürich ordnete Pestalozzi, ihren Burger und nunmehr berühmten Schulmann, 1802
zur Consulta nach Paris ab, als Napoleon die helvetische Regierung einlud, siebzig
Abgeordnete zur Beratung der Mediationsverfassung zu entsenden, die den Bruderstreit
zwischen den schweizerischen Föderalisten und Unitariern beilegen sollte. Die Tätigkeit der
Consulta beschränkte sich allerdings darauf, den Verfassungsvorschlag Napoleons
anzunehmen. Auch der Wunsch Pestalozzis, in die neue Verfassung einen Artikel über die
Volksschule aufzunehmen, konnte nicht durchdringen.
Als die neuerstandene Regierung des Kantons Bern Anspruch auf das Schloß Burgdorf erhob,
mußte Pestalozzi nach Münchenbuchsee in das ehemalige Johanniterkloster umziehen. Es
war nur die Episode eines Jahres. Eine Vereinigung des Instituts mit der Erziehungsanstalt
Hofwyl Philipp Emanuel von Fellenbergs führte nicht zum gewünschten Ziel. So entschloß
sich der sechzigjährige Pestalozzi, ein neues Institut von Grund aufzubauen.
X.
«In Iferten Erzieher der Menschheit». Verschiedene Orte hatten sich bemüht, das berühmte
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Familienarchiv Zürich, Zentralbibliothek, Protokollbuch zum Jahre 1803.