über Geldmittel verfügte, auf dem meist gebrauchten Geldschein abgebildet werde. Und im
Volksmund wurden diese gangbaren Noten «ein Pestalozzi» genannt wie vordem die
entsprechende Münze «Napoleon» oder «Louis dor». Uns aber will scheinen, die Behörden
unseres Landes haben mit diesem Beschluß bezeugt, daß Heinrich Pestalozzi durch sein
Wirken seinen Namen höher geadelt hat als viele Fürstenfamilien, welche kraft ihres
Münzrechtes ihre Bildnisse auf das Geld prägen durften.
In den Jahren, da die Menschheit durch tiefstes Leiden hindurchging, da hat - so scheint mir
sein Nachruhm und sein Nachwirken noch ein neues, anderes Licht erhalten. Sein Name
ist Symbol geworden, Sinnbild der Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft. Aber nicht Symbol
nur für den Helfenden, sondern Symbol für den Leidenden, Verzweifelnden. Darum wurde
sein Name über das Dorf der Waisenkinder Europas gesetzt. «Ich bin durch mein Herz, was
ich bin.» Die ferne Erinnerung an einen Menschen, der selbst im tiefsten Elend immer noch
etwas den andern gleich Armen zu geben hatte, der helfen wollte bis zur völligen
Selbstaufgabe, diese Erinnerung hat in Zeiten tiefsten menschlichen Elends eine Kraft des
Glaubens entwickelt. Sein Name vermochte Hoffnung auf Erlösung aus der Not zu wecken,
wo keine Hoffnung mehr war. Und das dürfte die höchste Form der zeitlosen Nachwirkung
eines Menschenlebens sein.
Staatsrat Hans Jakob Pestaluz, 1749-1831
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Erst kurz vor dem Untergang des Ancien régime war die Familie Pestaluz so tief in den Kreis
der regierenden Geschlechter hineingewachsen, daß sich auch ihren Gliedern das Tor zu
höhern Staatsämtern auftat, und erst in der Zeit des Umsturzes war es einem ihrer Söhne
vergönnt, staatsmännische Talente zu entwickeln und bestimmend in die Geschicke des
Vaterlandes einzugreifen.
Hans Jakob Pestaluz war am 8.Oktober 1749 im «Brünneli» als zweiter Sohn des Seidenherrn
Johann Heinrich Pestaluz-Orell (1714-1760) geboren. Er durchlief die Schulen seiner
Vaterstadt und gehörte zu jener hoffnungsvollen Schülergeneration des Zürcher
Gymnasiums, die so viele Talente und hervorragende Geister auszeichneten. Obwohl zum
Kaufmannsberuf bestimmt, zog ihn seine Neigung zu weiteren Studien. Seine Lieblingsfächer
waren Philologie, Geschichte und Mathematik. An den alten Sprachen schulte er seinen Stil
in Wort und Schrift, was ihm als Staatsmann zunutze kam. Noch in seinem hohen Alter las er
mit Genuß Horaz, Cicero und Tacitus. In den geschichtlichen Studien sammelte er die
grundlegenden Kenntnisse über das Staatswesen, denn eigentliche staatswissenschaftliche
Vorlesungen gab es damals außerhalb des Geschichtsunterrichtes noch nicht. Seine Lehrer in
diesen Fächern waren der gelehrte Bodmer und Steinbrüchel. Schon damals zeigte sich die
systematisch ordnende Natur Johann Jakob Pestaluz darin, daß er mehr tabellarisch
sammelte als wissenschaftlich forschte. Seine mathematischen Studien betrieb er gemeinsam
mit dem Physiker und Mathematiker David Breitinger, dem Begründer der Zürcher
Kunstschule. Er wäre kein Sohn der Aufklärungszeit gewesen, hätte er sich nicht auch für
Naturwissenschaften interessiert, die ihm durch die Naturforschende Gesellschaft
nahegebracht wurden.
Vor die Berufswahl gestellt, verzichtete er auf die lockende wissenschaftliche Laufbahn und
entschloß sich, nach Abschluß seiner Mittelschulbildung Kaufmann zu werden.
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Stammtafeln 25 und 26