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Gesandte: «Herr Pestalozzi, die Sache ist bereits fertig. Reisen Sie immerhin nach Rastatt;
Rastatt ist eine bloße Formalität.» Tatsächlich traf er den General Bonaparte nicht mehr dort.
Die Gesandtschaft der siegreichen Franzosen war wie alle erfolgreichen Revolutionäre
abweisend und unzugänglich. Die Unterstützung Metternichs und der deutschen Gesandten
half nicht viel. Es waren von den Franzosen keine Zusicherungen für die Eidgenossenschaft
zu erreichen.
Nach siebenundvierzig Tagen kehrte Pestaluz nach Zürich zurück. Inzwischen war die
Auflösung der alten Staatsordnung rasch fortgeschritten. Da, in diesem Augenblick des
Zusammenbruchs, war es ihm vorbehalten, einen staatsmännischen Akt von geschichtlicher
Tragweite zu vollziehen. Kaum drei Tage nach seiner Rückkehr wurde er als zürcherischer
Repräsentant an die Tagsatzung der acht alten Orte nach Frauenfeld abgeordnet. Als Zürcher
Gesandter präsidierte er die Konferenz, welche die letzte sein sollte, die die acht alten
regierenden Stände als Landesherren des Untertanenlandes der ehemaligen Landgrafschaft
Thurgau abhielten. Zur Frage stand die Entlassung des Thurgaus und des Rheintales von der
achtörtigen Oberherrschaft und die Gleichstellung der bisherigen Untertanen, die sich
größtenteils noch formal im Stande einer Leibeigenschaft befanden. Die alte Form war am
Zerbrechen. Vorerst hatten die Begehren die Gestalt einer Petition angenommen. Schon taten
sich die Untertanen zusammen. Immer ungestümer erhoben sie ihre Forderung, wenig fehlte,
und binnen kurzem mußte die Bewegung die Gestalt einer Revolution annehmen. Schon
waren die Franzosen in der Westschweiz einmarschiert, schon hatte das alte Bern seine letzte
militärische Niederlage erlitten. Einer nach dem andern verließen die Gesandten die
Konferenz und ließen dem unabwendbaren Geschick seinen Lauf. Der Zürcher Gesandte
stand ganz allein da. Sein Pflichtgefühl und sein Sinn für die Ehre und Würde des
Staatswesens seiner Väter erlaubten es ihm nicht, es den Kollegen gleich zu tun, und ließen
ihn mitten im Auflauf der unzufriedenen Thurgauer ausharren.
«Ganz allein stehend gegenüber einem Volke, das von keiner Unterhandlung mehr
etwas wissen wollte» - so lesen wir in seinem Tagebuch -‚ «sondern nur von unbedingter
Gestattung aller seiner Wünsche, überzeugt, daß auch die besten Räthe in den Wind
geredet seien, in stündlicher Erwartung, daß die wilden Drohungen zu
beklagenswerthen Ausbrüchen führen würden, und überdies noch über meinen eigenen
fernern Lebensgang in Folge der Ereignisse aufs tiefste bekümmert, fühlte ich dennoch
lebhaft genug die unabweisbare Verpflichtung, die Würde einer, wenn auch sinkenden
Obrigkeit bis auf den letzten Augenblick zu repräsentieren. »
So setzte er die Freilassungsurkunde für die Landschaften Thurgau, Rheintal und Sargans
auf. Er vollzog den letzten schöpferischen Staatsakt der alten Eidgenossenschaft und legte
damit den Grundstein zu einem neuen Staat. Aus der alten Landgrafschaft und Gemeinen
Herrschaft wurde der Freistaat Thurgau. Ein Vorgang, wie wir ihn in viel größerem Maßstab
auch in unserem Jahrhundert erlebt haben. Am 10.März 1798 unterzeichnete er - allein, aber
«in aller Repräsentanten Namen» -
diese Urkunde und setzte unter diesen Staatsakt das
Siegel unseres Geschlechts.
Nur zwei Tage später, am 12.März, legte die Regierung von Zürich ihre Gewalt nieder, und
als Pestaluz in seine Vaterstadt zurückkehrte, war er eine Privatperson, entkleidet aller
magistralen Befugnis und Bedeutung.
Doch die Zeit der Umwälzung erforderte bald die Kräfte aller bewährten Bürger. Zunächst
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