aber von untergeordneten Details zu entlasten. So blieb ihm Zeit und Sinn für anderweitige
Bestrebungen.
1834 wurde unter seiner Leitung die Zürcherische Museumsgesellschaft gegründet, deren
erster Präsident er war. Neben dieser Gesellschaft, welche Bildung und Literatur pflegte,
betreute er auch die Kunstgesellschaft, der er 1838 bis 1841 ebenfalls als Präsident vorstand.
Gleichzeitig wurde ihm auch das Präsidium der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons
Zürich übertragen. Dies gab ihm Gelegenheit, manche verborgene Not zu lindern und
manches gemeinnützige Werk zu unterstützen und zu fördern. Im Jahre 1844 führte er auch
den Vorsitz in der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft.
Sein Hauptaugenmerk galt aber der Förderung des zürcherischen Handels und der Industrie.
Zufolge der Verluste, die Zürichs Kaufmannschaft in der Französischen Revolution und in
den nachfolgenden Kriegen erlitten hatte, trat ein großer Kapitalmangel ein. Dem Bedürfnis
konnten die Privatbanken, die aus den alten Exportfirmen entstanden waren, nicht genügen.
Dazu kam die industrielle Entwicklung auf der Landschaft, zahlreiche neue
Unternehmungen und -
Hand in Hand mit dem technischen Fortschritt -
deren große
Kapitalbedürfnisse. Wenn Zürichs wirtschaftliche Bedeutung nicht schweren Schaden leiden
sollte, mußte hier Abhilfe geschafft werden. Der Gründung eines neuen Kreditinstitutes
stellten sich aber zahlreiche Widerstände und alte Vorurteile entgegen. Es waren zwei
Männer, alt Bürgermeister Hans Conrad von Muralt und Hans Conrad Pestalozzi, die mit
ihrem ganzen Ansehen, ihrem Wissen und Können den Kampf führten und schließlich dem
Gedanken der Gründung einer Bank zum Durchbruch verhalfen. Im Jahre 1836 konnten sie
zur Gründung der «Bank in Zürich » schreiten, die ihren Sitz im ersten Stock des Zunfthauses
zur Meisen hatte und daher im Volksmund «Meisenbank» genannt wurde. Muralt wurde
deren Präsident, Pestalozzi Vizepräsident. Er reiste nach Paris, um den Geschäftsbetrieb der
Banque de France und der neugegründeten Lyonerbank zu studieren. Das Aktienkapital der
Bank in Zürich wurde auf 1 Million Zürchergulden angesetzt, der Geschäftsbetrieb am 5.Juni
1837 aufgenommen. Damit hatte Zürichs Handel den Anschluß an das Tempo der neuen Zeit
gefunden.
Als ehemaliges Mitglied des Kaufmännischen Direktoriums hatte Pestalozzi naturgemäß
großes Interesse an der Weiterentwicklung des inzwischen verstaatlichten Postwesens. Er
hatte Gelegenheit, dieses weiter zu betreuen, indem er 1838 zum Mitglied des
Postdepartementes des Kantons Zürich gewählt wurde. Erst zehn Jahre später, nach der
Gründung des schweizerischen Bundesstaates, ging das Postwesen auf den Bund über.
Wenige Jahre vor der Gründung des Bundesstaates wurde Pestalozzi in den zürcherischen
Regierungsrat gewählt. Es war im Jahre 1844, dem Jahre, als die Liberalen im Kanton die
Mehrheit errangen. Bei der Ersatzwahl in den Regierungsrat wurde, neben dem liberalen
Juristen Rütimann, Hans Conrad Pestalozzi als Konservativer gewählt. Als Bürgermeister
amtete der liberale Hans Ulrich Zehnder. Politisch waren es zwei unruhige Jahre, die Jahre
der Freischarenzüge, in denen sich Pestalozzi der Führung der Zürcher Staatsgeschäfte
widmete. 1845 und 1846 war Zürich gleichzeitig eidgenössischer Vorort. Auch in der
Regierung war das Postwesen das besondere Anliegen Pestalozzis. So war es gegeben, daß er
1845 zum Abschluß des Postvertrages mit Frankreich nach Paris abgeordnet wurde. Bei der
Wahl des Amtsbürgermeisters, der gleichzeitig auch Präsident der schweizerischen
Tagsatzung werden sollte, stellten die Konservativen Hans Conrad Pestalozzi als Kandidat
dem liberalen Dr. Jonas Furrer gegenüber. Die Abstimmung im Großen Rat im April 1845 fiel