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Feldmessungen und übernahm 1874 die Vorlesungen über den Wasserbau. Im Oktober 1881
wurde er zum ordentlichen Professor für Straßen-, Kanal- und Wasserbau und gleichzeitig
zum Vorstand der Ingenieurschule ernannt. Karl Pestalozzi hat zusammen mit seinen
Kollegen, den Professoren Wild und Cullmann, der Ingenieurschule jenes feste Gefüge
gegeben, dem sie ihre Wirksamkeit verdankte. So lautete das Urteil des Rektors Professor
Ritter über seine Lehrtätigkeit: «Sein Vortrag war klar und frei von Schwulst, mit Heiterkeit
und Humor belebt.»
Er hat auch als Schriftsteller auf seinem Fachgebiet im In- und Ausland Anerkennung
erworben. Häufig wurde er zu technischen Expertisen berufen. Als eidgenössischer Vertreter
an der Konferenz über die Rheinkorrektion in St. Gallen vertrat er mit Wärme das Projekt der
Ableitung des Rheins in den Bodensee.
Auch Karl Pestalozzi hat für die Öffentlichkeit und für seine Vaterstadt gewirkt. Seit 1854
war er während dreißig Jahren Mitglied der städtischen Baukommission. Als der städtische
Bauherr Locher 1861 starb, wurde Karl Pestalozzi in den Stadtrat gewählt. Als solcher
übernahm er naturgemäß die Baudirektion und damit den Vorsitz in der Baukommission.
Unter seiner Leitung wurde eine große bauliche Umgestaltung des alten Zürich
durchgetuhrt. Er nahm hervorragend Anteil am Bau der Bahnhofstraße und der
Bahnhofbrücke und an der Korrektion des Schanzengrabens. 1865 trat er aus dem Engem
Stadtrat zurück, blieb aber bis 1883 Mitglied des Großen Stadtrates und der Baukommission.
Bei öffentlichen Anlässen war er ein glänzender Redner, der mit der Macht seines Wortes
und seiner glühenden Begeisterung seine Zuhörer und vor allem die Jugend für die
unveräußerlichen Ideale edlen Menschentums hinzureißen wußte. So begeisterte er sich auch
für den polnischen Freiheitskampf der Jahre 1863/64. Mit Gottfried Keller gehörte er dem
Schweizerischen Zentralcomité für Polen an zur Unterstützung der Opfer des unglücklichen
Polenaufstandes. Auch später zählte er lange Jahre zu dem Freundeskreis, der sich
wöchentlich einmal zur kleinen Tafelrunde um den Dichter Gottfried Keller zu versammeln
pflegte.
Seinen Militärdienst hat Karl Pestalozzi bei der Artillerie geleistet. Bei der Mobilisation von
1856 im sogenannten Neuenburger Handel war er als Artilleriemajor Parkchef der 5.
Division; und als 1859 der Friede von Zürich zwischen Österreich, Frankreich und Sardinien
geschlossen wurde, hatte er als Ordonnanzoffizier die fremden Gesandten zu begrüßen. 1867
wurde er zum Oberst im eidgenössischen Armeestab befördert.
So wurde Karl Pestalozzi zu einer markanten Gestalt im alten Zürich. An der Brandschenke
hatte er seine Junggesellenwohnung. Hier führte er eine strenge, regelmäßige Lebensweise.
Hier half er im stillen manchem mittellosen Künstler und manchem talentvollen Studenten.
Es war ihm auch Herzensbedürfnis, der Pestalozzi-Stiftung für verwahrloste Kinder
vorzustehen. Da er keine Kinder hatte, betrachtete er es als doppelte Pflicht, hier für «seine»
Kinder zu sorgen. Lange war er auch Präsident der Zürcher Aktien-Theatergesellschaft, und
es gab kaum eine Vorstellung, der er nicht an seinem Platz, vorne links im Parkett,
beiwohnte. Er trat aus dem Vorstand zurück, als sein Vorschlag abgelehnt wurde, wegen der
drohenden Feuergefährlichkeit ein Kulissenhaus zu bauen. Als Fachmann wollte er die
Verantwortung für diesen gefährlichen Zustand nicht übernehmen; und tatsächlich, kurze
Zeit darauf brannte das Theater an den Untern Zäunen bis auf den Grund nieder.
Noch in hohem Alter war Karl Pestalozzi ein anregender Gesellschafter, voll Witz und
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