Zaninus Pestaloza, der 1302 in verschiedenen Raten die Zinsen für die Alp Andossi zahlt,
wird an einer Stelle auch Johannes genannt. Daß aber dieser Johannes (Giovanni) der gleiche
ist wie der auf derselben Seite erwähnte Zaninus (Giovannino), ergibt sich schon aus dem
Hinweis «supradictus», d.h. der «obengenannte Giovanni». Dem an dritter Stelle (im Jahre
1320) genannten Petrollus werden wir in späteren Urkunden wieder begegnen unter seinem
vollen Namen und Titel «Ser Petrollus Pestaloza de Grabadona ». Er war offenbar der Sohn
des Zaninus.
Die von unseren Vorfahren gepachteten Alpen liegen -
soweit sich die mittelalterlichen
Namen noch heute feststellen lassen -
auf den Höhen um das Giacomotal, das vom
Splügenpaß nach Süden hinunterführt. Die Alp Andoxia (Andossi), auf der im Sommer 1302
das Vieh des Zaninus Pestaloza weidete, liegt auf dem Höhenrücken zwischen dem obersten
Stück des Giacomotals und dem Val Madesimo auf einer Höhe von etwa 1750 m über Meer.
In schöner Weitsicht geht von dieser Alp der Blick in die Runde vom Piz Timun an der
heutigen Schweizer Grenze im Osten über den Pizzo Groppera bis zu den Höhen der Cima di
Barna, der Cima di Balniscio und zum Piz Ferrè. Um den Besitz dieser Alp hatte die
Gemeinde Chiavenna vierzig Jahre vorher einen eigentlichen kleinen Krieg geführt mit dem
mächtigen Freiherrn Walther von Vaz
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. Die Alp «Resevelia» ist wahrscheinlich identisch mit
Rasdeglia oberhalb Isola am Hang des Piz Ferrè.
Die Gemeinde Chiavenna verwendete einen schönen Teil ihrer Einkünfte zur Befriedigung
der Ansprüche ihres Landesherrn. Oft wies sie ihre Alppächter zur direkten Zahlung an. So
ging ein Alpzins von Zaninus Pestaloza direkt an den Statthalter der Rusca, Fomazius de
Cozoquio. Im Jahre 1302 hatte Franchino Rusca, ein Bruder Corrados, des Herrn von
Chiavenna, im Rahmen seiner militärischen Unternehmungen ins Veltlin eine Besatzung
nach Tresivio oberhalb Sondrio (in castro Trixivii) gelegt. Die Kosten dafür hatten die
Untertanen aufzubringen. So floß ein Teil des Alpzinses des Zaninus Pestaloza von diesem
unmittelbar an Giacomulo de Masarizio für die Besatzung von Tresivio. Dies ist der erste
Hinweis auf die Verbindung der Pestalozzi mit der ghibellinischen Politik der Rusca in Como
und ihrer getreuen Untertanen und Parteigänger in Chiavenna.
In den Jahren 1297 bis 1320 beziehen sich, wie wir gesehen haben, alle Erwähnungen der
Familie Pestalozza auf Alpenpachten. In diesen Jahren weisen alle Zeugnisse auf ihre enge
Beziehung zu Alpen und Viehwirtschaft. In diesem Lichte läßt sich auch der Name erklären.
Der Name Pestalozza - dies ist die ursprüngliche Form, «Pestalozza» oder «Pestaloza» oder im
latinisierten Dativ «Pestaloze» (= Pestalozae) -
entspringt dem oberitalienischveltlinischen
Dialekt. Der erste Teil «Pesta» kommt vom Wort pestare (stampfen, treten). Die von Dr.Jakob
Escher geäußerte Vermutung, es könnte sich um eine Ortsbezeichnung (lateinisch «pista»,
Gasse) handeln, dürfte kaum zutreffen, da in keiner der älteren Urkunden die Form
«Pistalozza» vorkommt und die Lautwandlung von «i» in «e» unwahrscheinlich ist.
In den Wortbestandteil «lozza» wollte der Besteller der phantasiereichen Ahnengalerie im
Palazzo Pestalozzi in Chiavenna vor ein paar hundert Jahren das Wort «le ossa » (Knochen)
hinein interpretieren, woraus flugs die Legende entstand, ein süditalienischer Kriegsmann
habe sich durch die Vernichtung ungezählter Feinde so hervorgetan, daß er, der vordem den
schön-klingenden Namen Ferrabuscus del Leone getragen, den Zunamen «Pesta-le-ossa»
(Knochenstampfer) erhalten habe. Aber auch diese Lautwandlung von «le-ossa» zu «lozza»
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Camilla Ceradini, Origine del Comune di Chiavenna, Diss. Milano 1940/41, Manuskript, S. 101.