Tafel 084 Pfarrer Ludwig Pestalozzi, 1842-1909
In der Erfüllung seiner geistlichen Pflichten (Predigt, Unterricht und Seelsorge) erschöpfte
sich aber Ludwig Pestalozzis Tätigkeit bei weitem nicht. In den vielen Wirkungszweigen der
Evangelischen Gesellschaft (Zentralkomitee, Krankenasyl, Buchhandlung, Armenverein
usw.) arbeitete er als tätiges Mitglied und zeitweise als Präsident. Am Evangelischen Seminar
Unterstraß, mit dessen erstem Direktor, Heinrich Bachofner (1828-1897), er in Hochachtung
verbunden war, gab er den künftigen Lehrern den Konfirmandenunterricht und leitete die
Anstalt als nimmermüder Präsident (1879-1909), auch durch die arbeitsreichen Jahre des
Neubaus und sonstige schwierige Zeiten.
Alle noch irgendwie freibleibende Zeit galt dem «Evangelischen Wochenblatt», in dessen
Redaktion er schon bald nach seinem Amtsantritt in Zürich eingetreten war, um es bald
hernach ganz auf seine Schultern zu nehmen und nach seiner Eigenart nicht bloß zu einer
religiös-kirchlichen Rundschau, sondern auch zu einer literarischen Revue, besonders über
die besten biographischen Neuerscheinungen, auszugestalten. «Il a le courage de son
opinion», hat C.F. Meyer einmal von seinem Urteile geschrieben, und es konnte ihm daher
auch an Widerspruch und Verkennung nicht fehlen. Aber als das Wochenblatt nach Ludwig
Pestalozzis Tod zu erscheinen aufhörte, hinterließ es eine tief empfundene Lücke.
Ludwig Pestalozzis Lesefähigkeit auf den ihn interessierenden Gebieten war eine
unglaubliche. Da er nie anders als mit der Feder in der Hand las und fortwährend
exzerpierte, sammelte sich auch eine wertvolle Menge Lesefrüchte in seinen Mappen an, die
er später als Hilfswerke für den Unterricht in verschiedenen Beispielbänden herausgegeben
hat. Auch in zahlreichen Vorträgen machte er sein ausgedehntes Wissen für die
Allgemeinheit fruchtbar. Seine Gabe witziger Gelegenheitsrede hat auch die weitere Familie
oft zu schätzen Anlaß gehabt, ihr hat er auch vierzig Jahre lang als Aktuar gedient.
Ludwig Pestalozzi ist ein überzeugter Streiter für den Glauben seiner Väter gewesen, ein
Pfarrer aus innerster Berufung.