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Erst spät, im Jahre 1881, hat er geheiratet und als Pfarrfrau in das große Pfarrhaus an der
Kirchgasse Julie Wolfensberger (1859-1922) geführt, die Tochter des charaktervollen Pfarrers
zu Zollikon, Johann Rudolf Wolfensberger. Der Ehe waren keine Kinder beschieden. Frau
Pfarrer Pestalozzi-Wolfensberger war ihrem Gatten wie in allen seinen geistigen Interessen so
auch besonders in Seelsorge und Armenpflege eine treue Gehilfin und eine treffliche Leiterin
des gastfreundlichen Pfarrhauses
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.
Dr. Phil. H. C. Friedrich Otto Pestalozzi, 1846-1940
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Den heutigen Mitgliedern des Familienverbandes ist die freundliche und vornehme, diese
gleichzeitig würdige und lebhafte Erscheinung des Neunzigjährigen noch allen in
Erinnerung.
Er, der im höchsten Alter noch unsere Versammlungen mit Gewandtheit und Humor leitete,
der für jeden ein freundliches Wort und für alle eine geistreiche Rede bereit hatte, ist der
Inbegriff des Familienhauptes, der «Herr Senior» geworden. Über dreißig Jahre, zuerst als
Vertreter seines Bruders Ernst, dann als Senior, hat er der Gesamtfamilie vorgestanden.
Geboren am 2.November 1846 als dritter Sohn des Eisenhändlers Rudolf Alexander
Pestalozzi-Wiser, durchlief er die Schulen seiner Vaterstadt, vier Jahre Gymnasium und
sodann die Obere Industrieschule, um sich zum Kaufmann auszubilden. Nach dreieinhalb
Wanderjahren in England trat er 1871 in das elterliche Eisengeschäft am Münsterhof, das
schon 1788 von seinem Urgroßvater mütterlicherseits, Johann David Wiser, gegründet
worden war. Er wurde 1878 Teilhaber des Geschäftes und blieb darin bis 1921. Nachdem er
später mit seinem Bruder Ernst Rudolf Pestalozzi (1844-1931) die Leitung übernommen,
wurde die Firma «Joh. David Wiser» 1891 in «Gebrüder Pestalozzi» und nach dem Eintritt
seines Sohnes Rudolf in «Pestalozzi & Co.» abgeändert. Unter Otto Pestalozzis Leitung nahm
das Geschäft einen weitern Aufschwung, das Haus Münsterhof 12 wurde für Büros und
Verkaufsmagazin geräumig umgebaut und in Wollishofen ein Lager angelegt. Im Jahre 1871
leistete Otto Pestalozzi, der 1866 Leutnant der Infanterie geworden war, Militärdienst
anläßlich des Tonhallekrawalls, zog sich dabei aber eine ernsthafte Erkrankung zu.
Am 8.Oktober 1878 verheiratete er sich mit seiner Cousine Anna Regula Junghans von
Schramberg, die ihm in glücklicher Ehe sechs Kinder schenkte.
Am öffentlichen Leben beteiligte er sich in mannigfacher Weise. Von 1879 bis 1897 gehörte er
dem Großen Stadtrat und von 1883 bis 1918, also fünfunddreißig Jahre, dem Zürcher
Kantonsrate an. Hier vertrat er, schließlich noch als einziger, die konservative Richtung.
Großen Eindruck machte seine würdige Rücktrittserklärung, als er angesichts der
Streikdrohungen des Herbstes 1918 die Behörden zur Festigkeit mahnte und den politischen
Kampf Jüngeren überließ. «Die Art und Weise, wie heute die sozialen Fragen — für die mir
sonst keineswegs das Verständnis fehlt — gelöst werden sollen, ist mir im Grunde zuwider.»
Auf eidgenössischem Boden half er 1875 den «Eidgenössischen Verein» begründen, der
während zwei Jahrzehnten eine einflußreiche Tätigkeit in konservativ-föderalistischem Sinn
                                                
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Pfarrer Ludwig Heinrich Pestalozzi:
Worte der Erinnerung an L. H. Pestalozzi, Pfarrer am Großmünster, Zürich 1909. Biographische Notizen im
Familienbuch von seinem Bruder F. O. Pestalozzi. Nachruf in der Neuen Zürcher Zeitung, 1909, Nr.269, im
Seminarblatt, 1909, Nr. 16, Kirchenfreund, 1909, Nr.21 und 22.
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Stammtafel 29
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