noch manchen Beitrag seiner lokalgeschichtlichen Studien geschenkt hat.
In der Zürcher Künstlergesellschaft, in die er von seinem Vater eingeführt worden war,
übernahm er eine Reihe von Ämtern und bekleidete das Präsidium von 1888 bis zu ihrer
Umwandlung in die Zürcher Kunstgesellschaft im Jahre 1895. Er gab die Anregung zur
Herausgabe des «Schweizer Künstler-Lexikons» und leitete dieses Unternehmen bis zum
Erscheinen des bedeutenden Werkes im Jahre 1918. Für seine Verdienste um die
schweizerische Kunst hat ihm die philosophische Fakultät der Universität Zürich anläßlich
seines siebzigsten Geburtstages den Titel eines Doktor honoris causa verliehen.
Als Präsident der Kirchenpflege hatte er schon 1895 die Restaurierung der
Fraumünsterkirche empfohlen. Als diese dann unter Leitung von Professor Gustav Guil
durchgeführt wurde, war es für Otto Pestalozzi eine besonders willkommene Aufgabe, das
Präsidium der Baukommission zu führen.
Im Präsidium des Armenvereins der Evangelischen Gesellschaft folgte er seinem Vater und
seinem Bruder; dem letzteren auch als Vorstandsmitglied und seit 1923 als Präsident des
Evangelischen Seminars Unterstraß. Es ist gewiß ein seltener Beweis der Vitalität, daß er noch
als Neunzigjähriger in dieser Eigenschaft eine öffentliche Versammlung leitete, als durch das
neue Lehrerbildungsgesetz das Seminar eingeengt zu werden drohte. Während mehr als
dreißig Jahren leitete er auch die von ihm ins Leben gerufenen Gratislesezirkel für Zürich
und Umgebung und verfaßte deren sämtliche Jahresberichte.
Außerordentlich war seine vielseitige literarische Tätigkeit. Das Verzeichnis seiner
Veröffentlichungen (im Taschenbuch 1941) zählt an die achtzig Nummern auf, ohne die
vierunddreißig Jahrgänge der «Schweizerblätter» und ohne die Beiträge zur «Schweizer
Zeitung» und «Freitagszeitung». Es sind Festspiele, biographische Schriften (der Maler
Johann Friedrich Dietler, Paul und Theodor von Deschwanden), Vorträge und politische
Aufsätze (z.B. «Die ersten Schritte auf dem Wege zum Vorwärtskommen», «Kleinigkeiten des
sozialen Lebens», «Des Christen Stellung zu Wohlstand und Reichtum»), Publikationen von
Manuskripten der alten Stadtbibliothek und aus eigener historischer Forschung entstandene
Arbeiten («Briefwechsel von David Hess und Ulrich Hegner», «Zwei Zürcher im Dienste des
Roi Soleil», «Johann Caspar Lavater und die Künstler» u. a. m.). In seinem
neunundsiebzigsten Altersjahr schrieb er noch den Text zu dem von der Buchdruckerei
Berichthaus herausgegebenen Prachtswerk «Zürich, Bilder aus fünf Jahrhunderten», das
große Verbreitung gefunden hat und in kurzer Zeit vergriffen war. Zu diesen Arbeiten
gesellte sich eine mehr gelegentliche Führung der Feder in Prosa und Poesie zur
Verschönerung mannigfacher festlicher Anlässe, wozu auch die Familienfeste der Pestalozzi
zählten. Er war auch bis ins höchste Alter der gern gesehene, liebenswürdige und anregende
Gast der historischen zürcherischen Gesellschaften, so auf dem Schneggen, wo er 1917 als
Stubenhitzer, so auf der Gelehrten Gesellschaft, wo er 1904 als Mitglied aufgenommen
worden war.
Im patriarchalischen Alter von dreiundneunzig Jahren, am 12.Januar 1940, ist Friedrich Otto
Pestalozzi gestorben. Er hat das hohe Alter in ungewöhnlich geistiger Frische und Vitalität
erreicht. Er hat es verstanden, bei all seiner mannigfachen und fruchtbaren Wirksamkeit auch
die Familie zu pflegen. Als Vierundsiebzigjähriger hat er sich am Zürichberg noch ein neues
Haus erbaut, und noch achtzehn Jahre war es ihm vergönnt, hier Kinder und Enkel um sich
zu versammeln.