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technische Handhabung ihn ein Lehrer aus Zürich allwöchentlich einführen sollte. Immerhin
spielte der Knabe schon mit neun Jahren auf diesem Instrument zum erstenmal öffentlich an
einem Wohltätigkeitskonzert, worauf ihn ein Berufsmusiker, der unter den Zuhörern weilte,
mit den Worten anspornte, er habe noch nie ein Kind so rein und ausdrucksvoll spielen
gehört.
Nachdem es in jenen Jahren noch zur Tradition gehörte, daß der älteste Sohn das Geschäft
des Vaters zu übernehmen habe - Heinrichs Brüder Hermann und August waren um vier
und acht Jahre jünger als er -‚ verlangte sein Vater, daß er nach abgeschlossener
Sekundarschule in die Handelsschule Neuchâtel eintrete. Alles Bitten, Musik studieren zu
dürfen, half nichts, weshalb er vorschlug, so möge man ihn wenigstens Pfarrer werden
lassen. Da es sich immer deutlicher zeigte, daß sich der Jüngling für Rechnen, Buchhaltung
und andere für ihn leblose Fächer tatsächlich nicht zu eignen schien, legten seine Großmütter
ein gutes Wort für ihn ein, was seinen Vater schließlich dazu bewog, für das
Theologiestudium die Einwilligung zu geben.
Heinrich wurde daher im Herbst 1894 zu einem Pfarrherrn nach Rümlang geschickt, wo er
unter dessen Anleitung, vor allem aber durch zähen persönlichen Einsatz, das Verlorene der
vergangenen Jahre wettmachen wollte. Dies gelang ihm in der erstaunlich kurzen Zeit von
etwas mehr als einem Jahr, worauf er mit Erfolg die Aufnahmeprüfung ins Obergymnasium
bestand. Schon damals komponierte er seine ersten Lieder, wie ja überhaupt die Pflege der
Musik für ihn den ersten Platz einnahm.
Während eines Ferienaufenthaltes in Mollis lernte der damals kaum Achtzehnjährige seine
zukünftige Frau, Lydia Pfeiffer (1877-1914), einen feinfühlenden, gütigen Menschen, kennen.
1898 bestand Heinrich die Matura und begann sogleich mit dem Studium der Theologie an
den Universitäten Zürich, Tübingen, Berlin und Basel. Vier Jahre darauf d.h. im Jahre 1902
machte er das Staatsexamen, heiratete einen Monat später und zog mit seiner Frau nach
Berlin, um - Musik zu studieren!
Obschon er es im Violinspiel zu einer bemerkenswerten Fertigkeit gebracht hatte, sattelte er
auf Gesang um, wobei Kammersänger Heinemann und die berühmte Sängerin Lilli Lehmann
zu seinen Freunden zählten. Er ließ sich als Konzertsänger ausbilden und begann, weil
schließlich gelebt sein mußte, schon bald selber Unterricht zu erteilen. Am meisten aber zog
es ihn zur Komposition, so daß bereits in seine Berliner Zeit eine ganze Reihe seiner Werke
fallen, die von namhaften Verlegern wie Breitkopf & Härtel, Leipzig, B. Schott‘s Söhne,
Mainz, Tischer und Jagenberg, Köln, usw. angenommen wurden. Treu und liebevoll stand
ihm seine Frau zur Seite, bei der er in jeder Beziehung Unterstützung fand und die ihm 1903
den Sohn Joachim, 1905 die Tochter Magda und 1908 den Sohn Siegfried schenkte.
Da für das zweite Studium eine Menge Geld hatte geopfert werden müssen und der Künstlerberuf auch
damals schon nicht zu den einträglichsten gehörte, stand auf dem Tisch der Familie Pestalozzi mitunter
nur ein recht bescheidenes Mahl. 1911 traf sie dann aber ein besonders harter Schlag, machte doch die
Erkrankung der jungen Mutter an Tuberkulose deren Überführung an einen Höhenkurort notwendig.
Eine längere Trennung von seiner Frau wäre für Heinrich Pestalozzi nicht denkbar gewesen, weshalb
er sich um die gerade frei gewordene Pfarrstelle in Arosa bewarb, wohin er im gleichen Jahr mit seiner
Familie übersiedelte. Auch in Arosa saß der Herr Pfarrer wohl mehr hinter seinem Flügel, als es seinen
Schäflein lieb gewesen wäre; da er aber in menschlicher Hinsicht mit wenig Worten viel zu geben
verstand, gewann er die Herzen der meisten Aroser jener Zeit. Viele Lieder und Chöre, aber auch
Gedichte, von denen er eine große Zahl vertonte, entstanden in diesen Jahren und fanden den Weg zu
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