Navigation bar
  Home Print document Start Previous page
 218 of 407 
Next page End 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223  

Tschechoslowakei und den USA.
Am 9.August 1940, vollkommen unerwartet, erlag Heinrich Pestalozzi in seinem
zweiundsechzigsten Lebensjahr einer Herzlähmung und wurde, seinem Wunsche
entsprechend, im kleinen Friedhof des Kirchleins Inner-Arosa zur Ruhe gelegt. Auf eine
schlichte, im Mauerwerk ein gelassene Tafel über dem Grab hat Bildhauer Otto Münch das
Aroser Requiem des Verstorbenen eingemeißelt:
Daß sie ruhen dürfen
tief im Grund,
auf dem Friedhof,
sonnenglanzumwoben,
sanftes Läuten
tut es oben
immer wieder kund.
Blauer Himmel,
unermeßlich weit,
wölbt sich selig
über stillen Grüften,
Wolken wandern
in den Lüften
durch die Einsamkeit.
Fernes Stundenschlagen
- Endlichkeit -
droben aber
Zeit und Stunden
längst zerronnen,
überwunden
Ewigkeit –
Heinrich Pestalozzi
1878-1940
Frauen und mutter
Es sind mir wenige Familiengeschichten bekannt, die von den Frauen mehr als nur knappe
Daten berichten. Die Männer sind die Träger des Geschlechts, sie vermitteln den Namen. Sie
stehen an der Öffentlichkeit, von ihnen berichten daher die Chroniken. Sie führen die
Geschäfte, ihre Namen und Leistungen sind daher in den Dokumenten der Archive
verzeichnet. Die Leistung der Frauen wird im Kreis der engeren Familie, im Haus und in der
Wohnstube vollbracht und geht daher nicht in die Geschichte ein. Und doch ist gerade die
Wirksamkeit der Frau für die Entwicklung der Familie und für die Erhaltung des Geschlechts
von ausschlaggebender Bedeutung. Der Geist der Frauen, ihre Hingabe für die Kinder
bestimmt die Haltung und weitgehend den Charakter der kommenden Generation. Sie sind
von der Natur bestimmt, die Tradition zu vermitteln. Die Frau und Mutter ist die Hüterindes
Hauses. «Die heilige Kraft der gesegneten Wohnstube», die nach dem berühmten Wort
Heinrich Pestalozzis «durch die Jahrhunderte auf Kindeskinder erhalten» bleiben und dem
Lande den innern Halt geben muß, erhalten blieb, sei ihnen in der Reihe der Lebensbilder
eine Seite gewidmet.
Durch die Frauen ist das Blut anderer Geschlechter in natürlicher Folge in das unsrige
geflossen. Durch solche natürliche Verbindung ist die Familie Pestalozzi jeweils nach
wenigen Generationen verwurzelt in einer neuen Heimat, hat sie sich mählich gewandelt und
der Gesellschaftsschicht angeglichen, in der sie zu leben hatte. Es sind die Mütter, deren eine
Familiengeschichte zu gedenken hat, und es ist die Mutterliebe und die mütterliche Sorge um
Kinder und Familie, wovon ein paar Zeugnisse aufgezeichnet werden sollen.
Previous page Top Next page