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Tafel 092 – Dorothea Pestaluz-Pestaluz, 1781-1846
Das erste Dokument der Mutterliebe ist uns von der zweiten Frau unseres Stammvaters,
Susanna Verzasca, erhalten geblieben. Am 6.März 1573 hatte sie dem Sohn Franziskus das
Leben geschenkt. Zwei Wochen darnach fühlte die junge Mutter ihr Ende herannahen. All
ihre Gedanken und Sorgen galten dem Knäblein. Da läßt sie ihren letzten Willen aufzeichnen:
«jetzt in schwerer Krannckheit aber by guten sinnen vnnd vernunnft. ... Alsdann Gott
der Alimechtig, sy vnnd gesagten Iren Eewürt kurtzlichenn mit einem jungen Sun (den
sy by einanndern eelich erzüget) erfröüdt, damit nun derselbig vff Ir absterben, inn ein
vnnd dem anndern deßterbaß vnd wol (so lanng Ime der Herr Gott das leben hie Inn Zyt
verlycht) vferzogen werde, so syge Ir entlicher will vnnd meynung, Wänn sy Gott der
Herr vß diesem Zyt, zu synen gnaden berufft, das dann Ir liebe Muter, Frauw Catharina
Orella (wye sy sich dann deß gegeneinander erbotten) das selbig Ir Kind (als das Ires hab
vnnd guts ein rechter Inngesetzter erb heißen und syn) zu Iren hannden nemen, Inn der
forcht Gottes vnnd zu Eeren, als einer trüwen Großmuoter wol anstadt vferzüchen sölle.
Vnnd damit aber sy die Großmuoter desterwilligen hiertzu syge, solle Jren uß deß kindts
muterlichem erbteyl jerlichen ein gebürliche belonung ald Tischgelt sampt andern
vnkosten, so diß kindts halber vfgiennge, gegeben werden. Was aber darüber uß gesagts
kindts muterlichen gut fürgeschlagen werden mag, das sölle demselben Kinnd zu
anderem synem gut dienen vnd angleit.
Vnnd diewyl offtgenannter Ir lieber Eewürt Hanns Anthoni Pestalotz vif Ir bitt, deß
allesten zufriden vnnd darin gar nüdt zereden oder zespeeren begert, So bittet sy üch
myn gnedig Herren tungenlich Ir wellind Iren diß Ir Testament gnedigklich
bestätigen.
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.
Fünf Tage später ist diese besorgte Mutter am 23. März 1573 gestorben. Ihr Sohn Franziskus
ist nach ihrem Willen auferzogen worden und ein tüchtiger Handelsmann geworden.
                                                
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Staatsarchiv Zürich, Kauf- und Gemächtsbücher B VI, 317, S.76 (18.3.1573).
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