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Sonntag angelangt, ihre Eltern haben sie in Basel abgeholt, Conrad Meyer machte mir
gestern einen Besuch welcher mich sehr freute. Er ist sehr artig und natürlich und will
gar nichts fremdes affectieren, es gefiel ihm wohl bey uns. Er sagte, er wolle Dich oft
besuchen. In unserer Famillie ist Gottlob alles recht wohl, und Deine Geschwisterte
auch, der 1. Conrad ist den 8.Augsten mit Herrmann Hirzel wieder nach Bergamo
zurück. Er war sehr vergnügt mit seinem Aufenthalt, ohne ausgezeichnete Vorzüge
gefiel er doch durch seine Bescheidenheit und anspruchloses Benehmen, er ist doch ein
wenig beredter als früher, er hätte große Lust dann auch noch für einige Zeit nach
Frankreich zu gehen, wenn es ihm erlaubt wird.
Mit Netti wirst Du gewiß auch Freude haben, wenn Du es wieder siehst, es hat sich zu
seinem Vortheil geändert und ist fast um einen Kopf größer als ich. Onkel Jean ist sehr
vergnügt von seiner Hochzeitsreise zurückgekommen, den 20. d. An der Hochzeit war
die Famillie aus dem Steinbok und Adlerberg; von den jüngern Meli und Rud. Ulrich,
Nanni, Netti und Salomon, dann noch Fr. Burgermeister Muralt und Fr. Muralt-Stocker,
beyde Herren waren in Basel, sonst wären sie auch gekommen. Herr Verwalter hatte
eine sehr schöne, rührende Hochzeit-Rede, die Trauung war in der Kirche zu Kloten.
Das Hochzeitpaar reiste nach Schaffhausen, Stuttgard, Frankfurt, Coblenz, Mannheim,
Straßburg und dann über Basel nach Hause. Den folgenden Tag empfingen sie die
Aussteuern.
Das glaube ich Dir gerne, daß Dir die Zukunft viel nachzu-denken gibt und Dir Stoff zu
reiflicher Überlegung darbiethet. Doch Du wirst darüber selber am besten entscheiden
können und ich zeigte deßhalb Deinen Brief niemanden wie die andern, um nicht
allerley Räthe und Meinungen vernehmen zu müssen. Das Leben eines Land-Pfarrers
und eine höhere Lehrstelle sind nach meiner Ansicht ganz verschieden. Ersterer kann
gewiß ein herrliches Leben führen und viel Gutes wirken, doch hat ein Pfarrer auch viele
Unannehmlichkeiten, die zwar ein jeder andere Stand auch hat und heutzutage ist unser
Landvolk bey dem Freyheitsinn, der iezt herrscht, auch schwerer zu behandlen als
früher. Sie sind zu ungebildet, um alles zu fassen und wissen nicht recht, was sie wollen
(freylich auch nicht alle) und dann finde ich, ein langer Aufenthalt in der Fremde und
namentlich in Paris sey keine Vorbereitung auf eine Dorf-Pfarre, der Abstand ist ein
wenig zu groß. Über die andern gelehrten Fächer könnte ich gar nicht urtheilen und
schweige lieber ganz davon. Aber an dieses dachte ich schon oft, wenn Du eine Stelle
wie Hans Meyer haben könntest. Du kämest nicht ganz vom Predigten weg und
könntest dann später, wenn Du den Stand der Dinge selbst siehst, noch machen, was Du
willst. H. Meyer trachtet je eherje lieber nach einer Pfrund auf dem Land. Da war mir
schon oft im Sinn, wenn es noch währte, bis Du heimkommst, so könntest Du vielleicht
diese Stelle bekommen, was Dir gewiß sehr erwünscht wäre und es ließe sich vielleicht
mit jemand darüber reden, wenn Du es für gut findest 
... 27. Okt. 1831»
Die Schreiberin ist Dorothea Pestaluz (1781-1846) vom Steinbock, die Witwe Hans Conrad
Pestaluz‘ (1777-1819) aus dem Brünneli (Stammtafel 25), der Empfänger ist ihr Stiefsohn
Jakob Heinrich Pestaluz (1806-1840), der bald hernach Pfarrvikar in Meilen wurde. An ihre
eigene Tochter, Anna Dorothea (1815-1882), die nachmalige Frau Ziegler, richtete sie zur
Konfirmation folgenden Wunsch:
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