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«Herzlich geliebtes Kind, Gerne möchte ich in dieser feyerlichen Stunde einige Worte
der Ermunterung und inniger Mutterliebe gegen Dich aussprechen. Meine herzlichen
Wünsche und Gebethe begleiten Dich und Dein würdiger Lehrer, der Dich in der
christlichen Religion von Jugend an sorgfältig unterwiesen hat, wird in dieser heiligen
Stunde, die für das ganze Leben wichtig ist, Deine Entschließung für alles Gute neu
belebt haben, und ich bin versichert, daß Du mit reinem aufrichtigem Herzen Deine
Gelübde dargebracht hast. Gott und der Tugend treu zu bleiben in allen Lagen Deines
Lebens, und im Vertrauen auf Gott und Christo nie zu wanken. Der Genuß des heiligen
Abendmahls wird Dich in Deinen guten Vorsätzen bestärken, und Gott wird Dir helfen
und Dir Kraft schenken, das Gute zu lieben und zu thun und allem Bösen zu
wiederstehen. Gott segne Dir und uns diesen festlichen Tag für Zeit und Ewigkeit. Dies
ist der innige Wunsch Deiner getreuen Mutter, abwesender Brüder und liebender
Verwandten. Gott segne Dich und erhöre unsere Bitten. 
19.April 1832»
Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts finden wir im Tagebuch einer anderen Familien-
mutter, Frau Emilie Pestalozzi-Wiser (1818-1882) (St.29) am Münsterhof
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:
«Im ganzen genommen sind es drei gefreute Jungen, die mir aber viel zu schaffen geben,
so daß mein Kopf namentlich an stürmischen Wintertagen, wo sie keinen Augenblick
zur Stube hinaus können, oft von lauter Reden, Mahnen und Freudemachen recht müde
ist und, wie die Berner sich ausdrücken, ganz Sturm wird. Dann werde ich noch dazu
ärgerlich über mich selbst, indem es mir vorkommte, ich sollte mit weniger Worten Ruhe
und Ordnung schaffen können. Ich meine auch, ich sollte nicht so an der Arbeit hangen
und sie mehr bei Seite legen können, um die lieben Buben anständig zu beschäftigen.
Thue ich es aber und gebe mich mit ihnen ab, so bin ich des Abends beschämt über mein
Nichtsthun und über meine wenige Arbeit im Vergleich mit dem, was Andere schaffen
und was eine Frau von meinem Schlag, vom lieben Mittelstand, leisten sollte. Weise ich
daher die Kinder mit ihren Begehren ab, so ist mir nicht wohl, umgekehrt auch nicht,
und so ende ich manchmal den Tag recht unzufrieden. Wäre es mir doch vergönnt, in
eine so recht weislich eingerichtete Haushaltung hineinzublicken und durch sie zu
lernen, das Gleiche zu thun, denn von der weise geordneten Einrichtung hängt alles ab,
aber ich habe leider so wenig Einsicht, bei allem guten Willen das Gute zu thun!»
Am Neujahrstag 1852:
«Die Zeit des Jahreswechsels ging so schnell vorbei und Muße, mich zu sammeln, gab es
wenig. Wie doch der Mensch viel verliert, wenn er sich nicht selber wieder finden kann
aus dem Geräusche und Treiben des Alltagslebens heraus, und doch, wenn wir unsere
Pflichten treu erfüllen wollen, so bleibt eben oft kein Zeit übrig zum stillen Denken, es
heißt Handeln und wieder und abermals ordnen, und also zerfließt die Zeit und wir
haben Alles - nur uns nicht selber gefunden. Wie das Leiden durch die Freuden etwa
unterbrochen sein muß, damit wir nicht ganz darniederliegen, also bedürfen wir bei
Erfüllung unserer Pflichten auch der einzelnen Ruhestunden, um unseren Geist
aufzufrischen und unserer Gefühle uns bewußt zu werden. Ich habe bei dem
Jahreswechsel mit Wehmuth bemerkt, daß meine religiösen Gefühle und meine Liebe zu
Gott nicht mehr so lebendig seien, wie ehemals, und erst jetzt, seit ich etwa einen
                                                
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Die Briefe sind abgedruckt in der Schrift Himmelan, Erinnerung an unsere liebe Mutter, Zürich 1887, 5. 15
if., 64 if. u. 75.
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