ruhigen Augenblick habe und die Sonne wieder hell durch das Fenster hineinschaut,
fühle ich so recht, daß mein Herz nicht erkaltet ist, daß es mir nur an dem fehlte, was
man heißt: Allein mit Gott sein, um mich innig zu ihm zu erheben. Diesen Segen, mit
Gott und mir etwa allein zu sein, dies möge mir der Himmel dieses Jahr recht oft
verleihen. Der Kindersegen ist eine schöne Sache und nichts macht mich zufriedener, als
im Kreise meiner Kinderchen zu weilen, ihnen alles zu thun, mich ganz ihrer Pflege
hinzugeben, für sie zu sorgen und zu denken, aber ebensosehr sind sie oft eine
Hemmung für die Ausbildung unseres Geistes, und besonders ein kleines Kind läßt die
Mutter nie lang in Ruhe. Dürfte ich wünschen und sagen, was eine Mutter glücklich
macht, so gehört dazu gewiß ein mäßiger Kindersegen, daß sie ihren geistigen und
körperlichen Bedürfnissen selbst nachkommen kann, und ein gewisser, mäßiger
Wohlstand, daß man um der häuslichen Sorge willen nicht gezwungen ist, sich niemals
Ruhe zu gönnen. Einrichten, Sorgen und Rechnen lassen das Herz so arm; darum bitte
ich Gott nicht um Reichthum, nicht um große Schätze dieser Erde, aber um das Glück, so
viel zu besitzen, um (bei mäßigem Genuß) für die Erde und den Himmel leben zu
können, und um so viel Arbeit, als ich im Stande bin, mit meinen schwachen Kräften zu
verrichten, ohne zu erschlaffen an Geist und Gemüth.»
Und wiederum greifen wir einige Stellen aus den Briefen dieser Mutter an ihren Sohn, als er
dreizehnjährig war, heraus:
«Mein Lieber! Fasse doch den Vorsatz, dem lieben Papa, wenn er wieder bei uns ist,
durch Ruhe und Heiterkeit in allem, was Du thust, so rechte Freude zu machen, denn
nichts ist ihm so schädlich für sein Ubel, als Ärger und innerer Verdruß, und diese
verursacht es ihm am meisten, wenn er Dich so hastig, überreizt und unzufrieden sieht.
Denke Dir doch, wie schön es ist, eine heitere Ruhe, ein gesetztes Handeln, überhaupt
eine ruhige, würdige Männlichkeit zu erringen. Und dies kannst Du, denn der liebe Gott
hat Dir viel Überlegung gegeben, aber Du mußt sie wahren und pflegen, dann kannst
Du zum großen Segen Deiner Eltern werden.»
Und später, als er Theologie studierte:
«Als mein Erstgeborener hast Du in meinem Herzen immer einen kleinen Vorzug
gehabt, auch hat Dein tiefes, inniges Streben nach allem Schönen immer in meiner Seele
wieder-geklungen, ich war glücklich durch Dein warmes Gefühl, durch Dein höheres
Interesse am geistigen Leben. Und doch bist Du lange dasjenige meiner Kinder gewesen,
für welches ich am meisten bange hatte. Es schien mir, als würdest Du von allen Deinen
Geschwistern am schwersten durch die Welt gehen. Es wollte mir oft bange werden, Du
könntest im Streite mit der Welt unterliegen und Schaden leiden an Deiner Seele. Doch
der Herr hat mir wieder Muth gegeben und ich fange zu hoffen an, daß der, welcher Dir
ein so lebendiges Wollen in die Seele gelegt, Dich nicht untergehen lasse im Kampf für
das Vollbringen. Der Herr verleihe Dir, nicht nachzulassen im Ringen gegen Dich selbst
und erinnere Dich stets, daß alles Kämpfen nichts nützt, man kämpfe denn recht und
aus Liebe zum Herrn. Jetzt stehst Du eben noch in den Jahren des Ringens, Sehnens,
Suchens, aber als Ende alles dieses Wagens wünsche ich Dir das höchste Glück auf
dieser Erde, einstens den innern Frieden zu erlangen, der alle Erkenntniß übersteigt. O,
daß ich doch die selige Freude erleben möchte, Dich ganz beglückt im Herrn zu sehen.»
Nicht nur im Haus und in der Familie haben die Frauen unseres Geschlechtes Gutes gewirkt.