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selbst erinnere (ich) mich, daß Onkel Muralt, ein vollendeter Kavalier, Nany und mich
an jedem Arm nahm, wie erwachsene Fräulein, in den Saal trat und uns zu den zwei
jungen Frauen führte, wo wir so steif als möglich unsere Jüngferchen machten. Diese in
weiße Seide gekleidet, hatten jede als sortie de bal einen echten Hermelinkragen um die
Schultern hängen und strahlten vor Freude und Lebenslust. Sodann tanzte Onkel mit
jedem von uns einmal im Saal herum, was gewiß an einem solchen Abend vom
Festgeber auf einen hohen Grad nicht nur von Galanterie, sondern auch von
Herzensgüte schließen läßt. Unsere Kavaliere waren Brüder und Vettern, an denen es
nicht mangelte. Aber weit mehr als am Tanzen erfreuten wir uns am Essen der vielen
Süßigkeiten, die immerfort herumgereicht wurden, und die wir nie vorbeigehen ließen,
ohne uns zu bedienen. Und unvergeßlich blieb mir der berauschende Eindruck der
schönen tanzenden Paare unter den Klängen eines großen Orchesters.
Merkwürdigerweise war dies auch der erste Ball, an dem mein späterer lieber Mann,
Otto Pestalozzi, als angehender Jüngling teilnahm.»
Ein anderes Bild vermittelt das Büchlein der Frau Charlotte Anna Pestalozzi-Scotchburn
(1818-1881), die, aus Schottland stammend, 1848 Conrad Ludwig Pestalozzi, den späteren
Gutsbesitzer auf Schloß Lenzburg, geheiratet hatte. «My travels abroad» ist 1856
herausgekommen. Die Reiselust pflanzte sich in ihren Söhnen fort zum Nachteil ihrer
bürgerlichen und beruflichen Stellung. Die «Erlebnisse eines Globetrotters», die ihr Sohn
Konrad (1851-1915) herausgab, zeigen ein Bild der Unstetigkeit, an der auch seine Brüder
gelitten haben.
Der Hinweis auf die Frauen unseres Geschlechts wäre nicht vollständig, wenn nicht auch die
unverheirateten Töchter erwähnt würden, die als Schwestern und Tanten so viel dazu
beigetragen haben, den Familiensinn und den Zusammenhang zu wahren. Noch sind den
älteren unter uns zwei Damen in Erinnerung, die jede eine Art Familienmittelpunkt bildete
und den weiteren Kreis der Geschwister, Neffen und Nichten zusammenzuhalten wußten.
Beide sind als «Tante Nanny» verehrt worden. Es sind Fräulein Anna Margaretha Pestalozzi
(1851-1934) auf dem Münsterhof und Fräulein Anna Catharina Pestalozzi (1831-1923). Sie hat
bis ins hohe Alter jährlich mindestens einmal alle ihre Neffen und Nichten, Groß- und
Urgroßneffen und -nichten um sich besammelt im «Selnau» oder im «Talhof» und so in
einem zuletzt auf über hundert Personen angewachsenen Kreis das Gefühl der
Zusammengehörigkeit und der Freundschaft gepflegt.
Diese paar wenigen und unvollständigen Hinweise auf das Wirken der Frauen und
Schwestern seien beschlossen mit dem Toast, den Regierungsrat Hans Conrad Pestalozzi-
Hoffmeister am Familienfest 1850 auf sie ausbrachte:
«Es lebe hoch ihr Sinnen, Wirken, Walten,
Das unser Sein so schön weiß zu gestalten;
Ihr freundlich Wesen, ihre stille Kraft
Des Herzens Pflege, die uns Segen schafft;
Laß uns sie ehren, ihnen folgen gern,
Mög jeder finden solchen Lebensstern;
Und unser Dank wird alle Tage neu
Für ihre Schwester-, Gattin-, Muttertreu! »
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