trug ein Josephus Pestaluzzi aus Genua sein Wappen in das Gutenzeller Wappenbuch ein.
301
Gleichzeitig lebte dort (nach dem Stammbaum von 1659) Camillo Pestalozza, dessen Sohn
Ramagasso in Genua zu Ansehen kam. Er läßt sich auf seinem Porträt, das in Chiavenna
erhalten ist, als Ritter von St. Stefan darstellen.
Viele italienische Kaufleute führten ihre Geschäfte nach Osten. Giambattista Pestalozza (Tafel
9) betrieb in
Vicenza
ein Handels- und Bankgeschäft. In der Geschichte der Familie
Werdmüller lesen wir darüber
302
:
«Er lieferte jährlich für über 14000 Gulden Waren, meistens Strusy und Galletti, nach
Zürich - für Heinrich Werdmüller privat auch «Orsoy» (reine Orsoloseide, Organzine)
im Betrage von 5500 Gulden. Einmal (1599) sandte Pestalozza auch Fertigwaren à méta
an die Werdmüller (Florett, Rubandt und Bindelli); doch der Erlös scheint ihn nicht
befriedigt zu haben, und so unterblieben weitere Sendungen dieser Art. Dagegen
scheinen Winterthurer Bändelschnüre in Vicenza einen guten Absatz gefunden zu
haben, denn Pestalozza bezog ansehnliche Mengen davon. Pestalozzas Rechnungen
wurden teils in Frankfurt und Nürnberg, teils durch die Faktoren der Werdmüller in
Venedig und Bergamo, durch die Spediteure in Plurs, Chiavenna und Chur sowie durch
die Holzhalb von Zürich, die in Italien englische und flandrische Tücher verkauften, bar
beglichen. Pestalozza scheint auch ein ausgedehntes Wechselgeschäft betrieben zu haben
und nahm die Werdmüller ausgiebig in Anspruch.»
Soweit der interessante Ausschnitt aus der weitgespannten Geschäftstätigkeit Giambattista
Pestalozzas in Vicenza, wie er sich aus dem Geschäftsbuch der Firma «Gebrüder
Werdmüller» in Zürich ergibt und in der Werdmüllerschen Familiengeschichte von Leo
Weisz dargestellt worden ist.
Von den Söhnen Giambattistas führte Camillo das Geschäft in Vicenza weiter. 1630 machen
die Zürcher Werdmüller eine Forderung gegen ihn geltend.
303
Sein älterer Bruder
Giambattista zog weiter nach Wien, während der jüngste sein Glück in Polen fand. In Krakau
hatte sich schon 1579 Frabrizio Pestalozza aus der Linie der Riccioni niedergelassen und am
l2.Januar jenes Jahres das Bürgerrecht erhalten. Viele Italiener sind in jenem Jahrhundert nach
Polen gekommen, sei es als Künstler, sei es als Bankiers, Industrielle oder Kaufleute.
Besonders in der Königsstadt Krakau fanden sie Aufnahme, seit Bona Sforza von Mailand im
Jahre 1517 mit dem polnischen König Sigismund I. verheiratet worden war. In ihrem Gefolge
wurde der Königshof von Krakau geradezu überschwemmt von Künstlern und Gelehrten
aus Italien. Alle diese Italiener hatten, wie damals üblich, ihre Confraternita di San Giovanni
Battista della «nazione italiana» und eine Kapelle in der Franziskanerkirche, die mit schönen
Stukkaturen von Baldassare Fontana aus Como geschmückt war. Auch die erste regelmäßige
Post in Polen war 1558 von Italienern eingerichtet worden. Zu hohem Ansehen brachte es
dort Pietro Antonio Pestalozzi (geboren 1608), der Sohn des Giovanni Battista in Vicenza. Einer
seiner Brüder lebte, wie wir gesehen haben, in Vicenza, ein anderer in Wien. Er selbst ließ
sich als Kaufmann in Krakau nieder und wurde dort am 22.Dezember 1644 zum Bürger
angenommen.
«Nobilis Petrus Antonius Pestaloci, mercator, productis litteris genealogiae suae ex libris
301
Schweiz. Heraldisches Archiv, 1950, Bd. 64, S. 114.
302
Leo Weisz, Die Werdmüller, Zürich 1949, Bd. I, S.369.
303
Staatsarchiv Zürich, Ratsurkunden B V, Bd. 84, S.303 (12.6.1630).