Navigation bar
  Home Print document Start Previous page
 243 of 407 
Next page End 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248  

 243
Tafel 098 – Zimmer aus einem Pestalozzi-Haus, im Landesmuseum Darmstadt
Damit war der Zoll zu Cleven in die Hände der herrschenden Bündner übergegangen.
Allerdings erhielt später (1647, 1654 und 1660) ein anderer Pestalozzi neuerdings die
Zollpacht, jeweils auf acht Jahre, aber er gehörte bereits zur regierenden Klasse und besaß die
politischen Rechte als «Bundsmann»; es war Hauptmann Johann Anton Pestaluz in Chur
(1599-1659) und seine Erben.
322
Auch um andere Privilegien aus der Feudalzeit hatten die Pestalozzi zu kämpfen. Sie besaßen
Fischereirechte im Flusse Mera. Da die ausgespannten Netze den Durchzug der Fische in die
höher gelegenen Flußgebiete verhinderte, entstand Streit mit der Gemeinde Plurs, die immer
stürmischer die Entfernung der Netze forderte. Weil dieser Streit zwischen den Plursern und
den Clevnern mit großer Erbitterung geführt wurde -
wie meist, wenn ein Eingriff die
tägliche Versorgung oder gar die Tafelfreuden des Volkes berührt -‚ mußte 1579 ein
Schiedsrichter in der Person des Ritters Dietegen von Salis ernannt werden, dessen Spruch
die Ausübung der Fischereirechte einschränkte.
323
Schwerwiegender und von wirtschaftlich größter Bedeutung waren die alten Rechte, die den
Pestalozzi Einfluß auf den Handelsverkehr einräumten. Wie wir gesehen haben, hatten sie
am obern Ende des Comersees im Lago di Mezzola zu Ausgang des Mittelalters den Hafen
und den Lagerplatz ausgebaut, wodurch alle Kaufmannsgüter durch ihre Anlagen
durchgeführt, bei ihnen vom Schiff auf den Wagen umgeladen und unter ihrem Dach
eingelagert werden mußten. Mit der Zeit war ein Teil dieser Anlagen durch den Einfluß des
Wetters, des Sees oder kriegerischer Ereignisse zerfallen. Es lag im Interesse der
Landesregierung wie auch im Interesse der Pestalozzi, diese Sust wieder aufzubauen,
                                                
322
Staatsarchiv Graubünden, Chur, Bundestagsprotokolle, Bd. 7, S.4l9 (1597), Bd. 29, S. 27 (18. 11. 1654), Bd.
30, S.268 (20.2. 1660), Bd.31, S.81 if. (6.9. 1662).
323
G.B. Crollalanza, Storia del Contado di Chiavenna, Milano 1870, S. 189.
Previous page Top Next page