Damit war das Zeichen zum Ausbruch des Krieges gegeben. Kurz darauf, am 16.August,
marschierten die Spanier auch gegen Chiavenna.
Die Stadt verfügte über keine Truppen außer ihrer Miliz. Der Kommissar mußte eilends
Hilfsvölker aus den benachbarten Gebieten heranziehen. Inzwischen übergab er von
Castasegna aus die Verantwortung für die Verteidigung der Stadt dem Leutnant Lodovico
Pestalozza, der an Stelle des Kommandanten Giovanni Antonio Piperelli, der an einem
Beinbruch aktionsunfähig darniederlag, die Miliz befehligte.
Der Leutnant erklärte sich verantwortungsfreudig bereit, die schwere Aufgabe zu
übernehmen
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. Fürs erste konnte der Angriff der Spanier abgewehrt werden, da die rätischen
Hilfstruppen zur Zeit eintrafen.
Tafel 099 Portikus zu San Lorenzo in Chiavenna
Die Ereignisse des nachfolgenden Jahrzehnts, die sich oft in überraschender Folge
überstürzten, bald auf Krieg, bald auf Verschwörung oder diplomatische Intrige abgestimmt
waren - die Truppen, Feldherren und Politiker aus Spanien, Österreich, Frankreich und auch
aus der Schweiz nach Graubünden brachten -
und die als Bündnerwirren bekannt sind,
können hier nicht im einzelnen beschrieben werden.
Im Rahmen einer Familiengeschichte soll nur so weit darauf eingegangen werden, als ganz
bestimmte Familienglieder persönlich von diesen Ereignissen betroffen worden sind.
Es soll aber nicht übersehen werden, daß die Pestalozzi die führende Familie der Stadt
Chiavenna waren, daß die Stadt Chiavenna oft im Brennpunkt der Ereignisse stand und daß
daher immer wieder einzelne Pestalozzi die Verantwortung für die Geschicke ihrer Stadt
übernehmen mußten:
Gegen oder für die Spanier, gegen oder für die Franzosen, gegen oder für die führenden
Parteien in den Drei Bünden und - solange der Krieg noch eine konfessionelle Färbung hatte -
gegen oder für den alten oder den neuen Glauben.
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Crollalanza, a.a.O., S.290. Fort. Sprecher, a.a.O., Bd. I, S. 180.