Das Schicksal Chiavennas hieß immer noch in hohem Maße auch das Schicksal der Familie
Pestalozza.
Im Oktober 1621 rückten die spanischen Truppen erneut gegen Chiavenna vor. Die
bündnerischen Truppen, bei denen auch Hauptmann Giovanni Antonio Pestalozza, der sich
später in Chur niederließ, mitfocht, wurden zurückgeschlagen. Flüchtend fluteten sie durch
die Stadt zurück, bergwärts. Jetzt stand für alle Evangelischen das Schlimmste bevor, und das
Schrecklichste war zu befürchten.
Tafel 100 Wappentafel in der Pestalozzi-Kapelle
Wer irgendwie konnte, schloß sich den Bündner Soldaten an und flüchtete mit ihnen in die
rettenden Berge. Jetzt schieden sich auch in Chiavenna die Parteien und die Bekenntnisse
endgültig auf Leben und Tod. Als der Bündner Anführer Ulysses von Salis auf den
Hauptplatz kam, wohin er die Miliz beordert hatte, um eine Nachhut- oder Auffangsstellung
zu organisieren, fand er von dieser Miliz niemand vor außer dem Hauptmann Ferdinando
Pestalozza, diesen aber nicht mehr in Kriegsrüstung, sondern mit anderen katholischen
Edelleuten in Festtagskleidung und nur mit Galanteriedegen - offensichtlich für den Empfang
des spanischen Kommandanten -
gerüstet. Der Einmarsch ließ nicht auf sich warten,
entsprach jedoch nicht den festlichen Erwartungen der spanischen Parteigänger. Verzweifelt
leisteten einzelne Bündner und Evangelische auf Barrikaden Widerstand. Das spanische Heer
verlangte die Plünderung der Stadt. Der Herzog von Feria widersetzte sich diesem Ansinnen,
gestattete aber die Plünderung der Häuser der geflohenen Protestanten. So wurde die
Kriegsfurie auf die Stadt oder wenigstens einzelne Quartiere losgelassen. In seinem Palazzo
war der hochbetagte evangelische Paolo Pestalozza de Luna -
wegen seiner Gebrechlichkeit
außerstande zu fliehen -
zurückgeblieben. Er wurde von den Marodeuren zum Fenster
hinausgestürzt und verlor wie verschiedene andere in der Stadt verbliebene Evangelische das
Leben
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Crollalanza, a.a.O., S.299. Fort.Sprecher, a.a.O., Bd.I, S.305. Des Maréchal de camp Ulysses von Salis-
Marschlins Denkwürdigkeiten, bearb. und hg. v.C.v.Mohr, Chur 1858, S.130. Memorie del Maresciallo di