Eifersucht veranlaßt hatte
355
.
Aber noch mehr Unglück brachte der Krieg über die Stadt. Im Gefolge der fremden Heere
brach 1629 die Pest aus. Die ganze Grafschaft wurde davon erfaßt. Zwei Drittel ihrer
Einwohner sollen dieser unheimlichen Krankheit erlegen sein. Jedenfalls hat nie mehr
nachher die Zahl der Einwohner die Höhe der früheren Blütezeit erreicht. So viele Einwohner
Chiavennas sind damals gestorben, daß ihre Namen gar nicht mehr alle aufgeschrieben
werden konnten. In einer summarischen Liste der Opfer sind vierzehn Angehörige der
Familie Pestalozzi verzeichnet worden, von einzelnen wußte man nicht einmal mehr den
Namen. Alte Männer und Frauen, kleine Kinder, Jünglinge im blühenden Alter, junge
Mütter, alle ohne Unterschied sind dahingerafft worden
356
. Unter den Geistlichen, die sich für
die Kranken einsetzten, scheint Carlo Pestalozza (Stammtafel 14) sich besonders unermüdlich
hervorgetan zu haben. Diese Opferbereitschaft hat seine Stellung, die er schon als gewandter
Kanzelredner hatte, noch verstärkt, so daß er sich bald auch in die konfessionell-politischen
Fragen einmischen konnte
357
.
So war Chiavenna wie sonst kaum eine schweizerische Stadt während des Dreißigjährigen
Krieges von allem Unheil der Kriegsfurie immer und immer wieder heimgesucht worden.
Unter bündner herrschaft
Tafel 102 - Pestalozzi Wappen in Chiavenna
358
Alle atmeten auf, als in diesem Teil Europas um 1638 der Krieg ausgetobt hatte und
Verhandlungen sich anbahnten. In Chiavenna waren nur Katholiken zurückgeblieben; ihnen
lag vor allem daran, wer auch immer ihr Landesherr werde, daß die Protestanten nicht mehr
zurückkehrten. Bereits hatte unter dem Schutz der Bündner an Ostern 1637 der evangelische
Pfarrer Giovanni Battista Parravicino zum erstenmal wieder in Chiavenna gepredigt.
Sogleich schrieb der oben genannte Canonico Carlo Pestalozza (Stammtafel 14) an Kardinal
355
Ebenda, Bd.II, S.277.
356
Archivio Capitulare S. Lorenzo Chiavenna, Registro dei Morti, Bd. III (1630-1648), S. 1.
357
Crollalanza, a.a.O., S. 347.
358
Wappentafel zu San Lorenzo in Chiavenna, am 1657.