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Bergpässe zu erhalten, muß man sich vergegenwärtigen, daß gemäß der Zollrechnung von
1711 die Firma Pestalozza ungefähr 11% der Waren aller Firmen von Chiavenna spedierte
378
.
Giovanni Battista Pestalozza errichtete am 12.September des gleichen Jahres 1711 ein
Testament. Darin begründete er ein Fideikommiß nach der Primogeniturordnung. Bei der
Genehmigung dieser Stiftung durch die oberste Instanz, den Bundestag, wurde bestimmt,
«daß die darin zu einer Primogenitur gewidmeten Mittel zu keinen Zeiten in Geistliche
Beneficia verwandelt werden» dürfen
379
.
Ausklang
Es war der Enkel des Handelsherrn Giovanni Battista Pestalozza (aus der Linie Pestalozza a
Selder), der Pfarrer Giovanni Battista Maria Pestalozza (? 1780), der die immer größer
werdende Entfremdung zwischen der Bevölkerung Italienisch-Bündens und den regierenden
Ständen persönlich erleben sollte.
Die Verwaltung der Untertanenländer war gewiß nicht schlechter als an anderen Orten, auch
die Rechtspflege funktionierte unter den meisten Bündner Kommissaren verhältnismäßig
ordentlich, es fehlte aber bei den Herren und Oberen vollständig an dem, was wir heute das
psychologische Verständnis für sprachliche und konfessionelle Minderheiten bezeichnen.
Tafel 106 - Pestalozzi-de Quadrio Wappen
Soeben war (1772) der Erzpriester Stampa von Chiavenna verstorben. Da wandten sich die
Vorsteher der katholischen Gemeinde (der Università cattolica) in einem sehr unterwürfigen
Schreiben an die Häupter der Drei Bünde. Sie stellten zwei Begehren. Einmal sollte festgelegt
werden, daß inskünftig das Erzpriesteramt immer einem geeigneten Geistlichen aus dem
Patriziat von Chiavenna unter Ausschluß von Fremden übertragen werden sollte. Zum
zweiten schlugen sie für die bevorstehende Wahl Don Giovanni Battista Maria vor, «Patrizier
aus der alten Familie Pestalozzi, Erzpriester zu Gordona, apostolischer Protonotar, eine in der
Behandlung der Seelen wie in der Religion erfahrene Person». Die Gesuchsteller unterließen
es diesmal auch nicht, die Bündner Regierung als «Padroni» anzureden, ja sie bezeichneten
sich im Stile der Zeit als «Servitori umilissimi e Servi fedelissimi delle Signorie Vostre
Illustrissime ed Eccelse», um vor dem Thron ihres gnädigen Fürsten (den Bündnern!) ihre
Bitten vorzutragen. Mehr konnte man nicht verlangen. Der Bundestag aber suchte nach
einem Haar in der Suppe, fand es und beschloß, dieses Schreiben nicht zur Kenntnis zu
nehmen (was den Sekretär nicht gehindert hatte, es von A bis Z in sein Protokollbuch
abzuschreiben). Die Eingabe wurde zurückgeschickt, «dieweilen dasselbe nicht Decretmäßig
                                                
378
Staatsarchiv Graubünden, Chur, Landesakten N, 2.Serie, Fasc. 1700-1719, Conto di Dazio, 1711.
379
Staatsarchiv Graubünden, Chur, Bundestagsprotokolle, Bd. 72, S. 105 f. und S.347 (1711).
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