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 268
in deutscher Sprache abgefaßt ware»
380
.
Pestalozza wurde nicht Erzpriester von Chiavenna. Eine deutsch abgefaßte Eingabe kam zu
spät und hatte lediglich zur Folge, daß die Regierung sich mit der theoretischen Frage zu
befassen hatte, welches die Rechte bei der Verleihung des Erzpriesteramtes seien
381
.
Nach solchen Erfahrungen kann es nicht wundern, daß die Entfremdung zwischen Bündnern
und Chiavennaten immer größer wurde und zur eigentlichen Spannung wuchs. Wieder
wurden die Bündner Südtäler von den großen Umwälzungen der Revolutionszeit zuerst
erfaßt. Es war gerade einer der Unterzeichner der unglücklichen italienischen Bittschrift, der
von seiner Regierung die Beleidigung der Zurückweisung hatte einstecken müssen, Dr.
Fieramonte Paravicini de Pestalozzi, ein Adoptivsohn unseres Geschlechtes, der am eifrigsten
die diplomatischen Verbindungen nach Mailand und Wien aufnahm, um eine Lösung seiner
Heimat von der Bündner Herrschaft zu erreichen.
In jenen Jahrzehnten der Entscheidung waren es dann wieder zwei Pestalozzi, denen die
Verantwortung für das Schicksal ihrer Stadt zufiel, als die Gemeinde wieder dazu kam, ihr
Geschick selber in die Hand zu nehmen. Zunächst richteten sich die Blicke der Mitbürger auf
Paolo Antonio Pestalozzi (Stammtafel 17). Er war das Haupt der einzigen am Ende des
18.Jahrhunderts noch lebenden Linie des Geschlechts. Nur die Pestalozzi de Luna waren
noch im Mannesstamme vertreten. Sie nannten sich jetzt Pestalozzi (in der Pluralform). Paolo
Antonio war 1771 Konsul gewesen, wie auch schon sein Vater, Capitano Ottavio, 1714 und
sein Großvater, Rodolfo, 1704 traditionsgemäß dieses Amt bekleidet hatten. Als dem
vornehmsten der Patrizier kam ihm die Führung zu. Sowie das Veltlin, unter Berufung auf
das Mailänder Kapitulat von 1637, gegen angebliche Rechtsverletzungen der Bündner
Unterstützung bei der kaiserlichen Regierung in Mailand suchte, ordnete die Gemeinde
Chiavenna im Januar 1788 Paolo Antonio Pestalozzi zusammen mit Dr. Fieramonte
Paravicini Pestalozzi ins Veltlin ab. Bei den späteren Verhandlungen hielt er sich aber, im
Gegensatz zu seinem Adoptivvetter, eher zurück. Erst als sich die Bündner zu
Verhandlungen vor der kaiserlichen Regierung in Mailand bereit erklärten, wurden
wiederum die beiden abgeordnet. Die Entwicklung war aber für eine friedliche Lösung schon
zu weit vorgeschritten. Das von der Konferenz ausgearbeitete Projekt entsprach zwar den
Wünschen Chiavennas, wurde aber von den Bündnern abgelehnt
382
. In Chiavenna bildeten
sich zwei Parteien, für und gegen eine gewaltsame Trennung von Graubünden. Paolo
Antonio nahm keine definitive Stellung. Das Veltlin war gegen Graubünden, das St. Jakobtal
und einige weitere Gemeinden wollten bündnerisch bleiben. Pestalozzi war durch seine Frau,
Rosa Quadrio de Brunasi, mit den führenden Veltlinern verbunden, anderseits aber auch
dem Volk von Chiavenna zugeneigt. Die jüngere revolutionäre Generation hielt ihn für
hypokritisch. Bei ihm fanden die Beratungen des städtischen Adels statt
383
. Da trat General
Bonaparte auf den Plan. Pestalozzi wurde in die Delegation zu dem französischen Feldherrn
nach Montebello gewählt; er verhielt sich aber als Angehöriger des alten Adels äußerst
zurückhaltend
384
. Der alte Herr hatte im Sturm der neuen Zeit keine Stimme mehr. Erst am
Ende seines Lebens, als die Donaumonarchie wieder in der Lombardei herrschte, erhielt er
                                                
380
Ebenda, Bd. 135, S. 1040-1043, 1064 (1772).
381
Ebenda, Bd. 135, S. 1382.
382
Crollalanza, a.a.O., S. 504, 534.
383
Crollalanza, a.a.O., S. 551, 556.
384
Crollalanza, a.a.O., S. 562, 564.
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