vom österreichischen Kaiser 1817 eine Gunstbezeugung in Form einer kaiserlichen
Bestätigung seines Adels.
Die Revolutionszeit brauchte andere Männer. Im gleichen Jahr, als Paolo Antonio bei General
Bonaparte gewesen war, wurde sein Sohn Rodolfo Pestalozzi (a 28.Juni 1772, ? 2.Juli 1849)
fünfundzwanzig Jahre alt und zum Richter in Chiavenna erwählt. Er sollte nach mehr als
zwei Jahrhunderten der erste Chiavennate sein, der in seiner eigenen Heimat zu einer
gewissen politischen Bedeutung aufstieg. Er gehörte der patriotischen Vereinigung der
Jungen an
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. Bald wurde er einer der politischen Führer unter der neuen Ordnung. Und über
kurzem reichte sein Einfluß weit über Chiavenna hinaus. Als Bonaparte für die Cisalpinische
Republik eine gesetzgebende Versammlung einberief, gehörte er ihr an. Neue Provinzen
wurden gebildet, so auch ein Departement del Lario, d. h. der ganzen Gegend des
Comersees. Rodolfo Pestalozzi war der politische Vertreter dieses Dipartimento del Lario im
Kongreß der Cisalpinischen Republik. Am Schluß der Napoleonischen Ära kam der Wiener
Kongreß und durch ihn die endgültige Lostrennung Chiavennas von Graubünden und die
Einverleibung in die damals österreichische Lombardei. Wiederum setzte Rodolfo Pestalozzi
sich für seine Heimatstadt ein. Auch bei der österreichischen Regierung in Mailand war er
der politische Deputierte von Chiavenna. Bald nach dem Wiener Kongreß, im Frühjahr 1814,
drohte der Stadt neue Kriegsgefahr. Die Bündner hatten nämlich im Bergell Truppen
zusammengezogen zum Versuch einer Zurückeroberung dieser Stadt. Dort verbreitete sich
Schrecken und Aufregung. Schon im Dezember vorher, angesichts der Gefahr, war Rodolfo
Pestalozzi mit zwei anderen Vertrauensleuten in eine außerordentliche Kommission der
städtischen Regierung gewählt und dieser unbeschränkte Vollmachten erteilt worden. Als
anfangs Mai die Bündner Truppen schon an der Grenze bei Castasegna standen, gingen
Pestalozzi und der Sindaco Filippo Chiodera diesen entgegen, um mit dem Kommandanten,
Kommissar von Salis, einen Waffenstillstand abzuschließen. Dies gelang den Unterhändlern,
aber die von Pestalozzi und Salis unterzeichnete Vereinbarung vom 5.Mai 1814 wurde nicht
ratifiziert. Die Bündner Truppen marschierten gleichwohl gegen Chiavenna. Der Bericht
Pestalozzis war jedoch bereits dem österreichischen Statthalter zur Kenntnis gelangt, und der
Einmarsch österreichischer Truppen bewirkte bald, daß der Wiedereroberungsversuch der
Bündner fallen gelassen wurde
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.
Pestalozzi war damals Richter in der Corte dipartamentale di Giustizia. Er blieb seiner
ursprünglichen Berufung als Jurist im Richterstande treu, nachdem er seine politische
Aufgabe erfüllt hatte. Er vermählte sich mit Benedetta dei Marchesi Canarisi aus Como.
Später wurde er als Richter an das Gericht zu Cremona berufen. Sein Bruder Camillo übte
den Beruf eines Arztes in Chiavenna aus, der zweite Bruder, Giovanni Antonio, war
Kanoniker zu San Lorenzo.
Die dankbare Stadt Chiavenna hat ihren großen Sohn dadurch geehrt, daß der Hauptplatz
bei der unteren Brücke nach ihm benannt wurde «Piazza Rodolfo Pestalozzi».
Von seinen Söhnen lebte der jüngere, Cavaliere Alberto Pestalozzi, in Chiavenna, wo er 1869
bis 1882 das Amt des Sindaco ausübte, das an Stelle der stolzen Würde des früheren
Konsulats getreten war. Der andere Sohn, Francesco Pestalozzi (1827-1884), ließ sich nahe dem
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Crollalanza, a.a.O., S. 562.
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Crollalanza, a.a.O., S. 585, 594-596. Gaud. Giovanoli, Der Versuch der Wiedereroberung des Veltlins, 1814,
in Bündner Monatsblatt, Chur 1920, S.33.