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Prompt tauchten auch zwei ungenannte Angeber auf und erzählten dem Inquisitor, sie hätten
gehört, daß Balthasar Pestalozza ein Hexenmeister sei oder gewesen sei. Jetzt war die Gefahr
groß. Die Anklage der Häresie hätte Balthasar Pestalozza nicht nur unweigerlich den Besitz
der bischöflichen Lehen gekostet und ihn damit des ökonomischen Rückhaltes beraubt,
sondern er hätte gleichzeitig auch seine gesellschaftliche Stellung verloren. Nicht nur seine
Existenz, sondern auch diejenige seiner Familie stand auf dem Spiel. Jetzt hieß es rasch
handeln. Es blieb nichts übrig, als der Gefahr die Stirne zu bieten. Am nächsten Sonntag, dem
30. Mai 1456, stellte sich Balthasar Pestalozza in der Hauptkirche San Lorenzo vor allem
Volke dem Inquisitor. Er verlangte, von der Verleumdung befreit zu werden, die nun schon
24 Jahre zu seinem Nachteil umging, und er bat inständig um Gerechtigkeit. Er erklärte sich
bereit, auf jede Anklage Red und Antwort zu stehen und, wenn er schuldig befunden würde,
jede gerechte Strafe und Sühne auf sich zu nehmen. So leicht war das nicht, denn wir kennen
die Tücken des Inquisitionsverfahrens. Zunächst wurden ihm drei Fragen vorgelegt:
1.
Ob er an alle und jeden Artikel des katholischen Glaubensbekenntnisses aus
Überzeugung glaube?
2.
Ob er, wie behauptet werde, ein Hexer sei oder gewesen sei, ob er in jener sogenannten
«guten» Gesellschaft gewesen sei (d.h. in der Gesellschaft des Teufels)?
3.
Ob er irgend einmal die Teufel angerufen habe um Rat oder Hilfe?
Die Antwort auf diese Fragen mußte er in die Hand des Inquisitors beschwören, die andere
Hand auf der Bibel. Zeugen waren bei diesem Akt der Notar und Schreiber des Offiziums der
Inquisition und die Herren Christoph de Vertemate, Bassiano de Peverelli, Antonius de
Pestalozza und andere.
Aber das genügte nicht. Der Inquisitor gab ihm acht Tage Zeit, um dreißig Zeugen zu
bringen. Es mußten angesehene katholische Männer von anerkannter Gottesfurcht und
Glaubwürdigkeit sein.
Überdies konnte Balthasar Pestalozza ein merkwürdiges Schreiben vorweisen von der Hand
des verstorbenen Johannes de Peverello. Dieser bekannte darin, daß er es gewesen sei, der
vor Zeiten das Gerücht verbreitet habe, und daß es gegen die Wahrheit gewesen sei.
Nach acht Tagen erschien Balthasar Pestalozza wiederum beim Inquisitor mit seinen Zeugen,
den sogenannten «Compurgatores». Es waren ihrer nicht dreißig, sondern vierundsechzig; an
ihrer Spitze der Erzpriester und fünf geistliche Herren von Chiavenna und Plurs. Wir finden
unter diesen Freunden des Balthasar Pestalozza die Namen aller edlen Geschlechter der
Gegend, Stampa, Peverelli, Vertemati, Lupi, Lapongia, Mora, Brocchi, Stupa, die Konsuln von
Samolaco, Prato und Mese und viele andere. Jeder mußte die Antwort auf die drei gestellten
Fragen in die Hand des bischöflichen Vikars beschwören. Darauf erfolgte unter Aufrufung
des Namens Christi der Spruch des geistlichen Gerichts. Endlich ertönte das feierliche:
Absolvo te! «Ich löse dich von jeder Schuld und vom Verdacht der Gottlosigkeit; weder im
Leben noch im Tod noch nach dem Tod soll dieser Vorwurf gegen dich erhoben werden.»
Es wird ein fröhliches und feudales Fest gewesen sein, das Magister Balthasar Pestalozza mit
seinen vornehmen Freunden an diesem Abend hielt.
Damit war ihm nicht nur sein Lehensbesitz, sondern auch seiner Familie das Ansehen
gefestigt und erhalten. Sie hatte ihre Stellung gegen alle Anfechtung bewahrt.
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