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Überläufer und Spione wurden vor den Augen der abziehenden Feinde erschlagen.
In Bünden wurde weitergekämpft. Die Spanier verdoppelten ihre Anstrengungen zur
Gewinnung der Bergpässe. Die Bündner hatten lange Kämpfe um ihre Freiheit zu führen.
Pestalozza nahm an allen teil, meist an der Seite seines Schwagers Ulysses von Salis. Von
Frankreich erhielt ihre Partei Unterstützung.
Gelegentlich erscheint Johann Anton Pestalozza auch in Zürich, um Vermögensansprüche
aus dem Erbe seines Vaters in Mailand und in Wien geltend zu machen. Offenbar bot damals
die Stadt Zürich den evangelischen Bündnern internationalen Rechtsschutz
393
. Aus jener Zeit
datiert auch seine Bekanntschaft mit seinem Namensvetter Johann Anton Pestaluz-Schwyzer
in Zürich.
In den ersten Tagen des Jahres 1626 wurde wiederum um Chiavenna gekämpft. Johann
Anton Pestalozza befand sich auf einer Schanze südlich der Stadt bei Pizio, von wo es gelang,
einen spanischen Angriff abzuwehren
394
. Von Dauer waren diese Erfolge nicht, denn vor den
Toren des Veltlins und Meratales hatten die Spanier die drohende Feste Fuentes hingesetzt.
Da winkt Hilfe von Frankreich. De Cœuvres besetzt das Veltlin. Doch der Streit wird
lediglich vom Schlachtfeld an den grünen Tisch verlegt. Johann Anton Pestalozza hatte
inzwischen seine Familie dauernd in Chur angesiedelt, was daraus hervorgeht, daß er von
1627 ab fast jedes zweite Jahr ein Kind in der Stadtkirche St. Martin taufen läßt
395
.
Währenddessen litt Bünden unsäglich unter fremdem Kriegsvolk. Da schien eine bessere Zeit
angebrochen zu sein, als Herzog Rohan 1631 in Chur einzog und die kaiserlichen Truppen
hinauswies. Alle Bündner standen nun unter dem Oberbefehl des Herzogs und -
was das
wichtigste war -
im Solde der «allerchristlichsten Majestät von Frankreich». So auch Johann
Anton Pestalozza, der ein Kommando über hundert Mann führte und sich noch auf seinem
Grabstein als Offizier Ludwigs XIII. bezeichnete (Sub Auspiciis Chr. Galli Regis Ludovici
XIII. Belli Dux)
396
. Seine Kompagnie war bis zum März 1632 dem Regiment Brügger, dann
dem Regiment Salis zugeteilt
397
. Die kriegerischen Bewegungen zogen sich in die Länge.
Geheime Verhandlungen zwischen den Höfen, Gesandten und Räten gaben da den
Ausschlag, wo vorher für den Glauben gekämpft worden war. Bünden war in den Händen
der Franzosen, ihre Untertanenländer in denen der Spanier. Über dem Bergland stand der
Schatten Richelieus. Graubünden war ein Rad im Mechanismus seiner Politik. Rohan reiste
nach Paris, und im ganzen Jahr 1634 erfolgte nichts zur Erleichterung der Lage. In diesem
Jahr war auch Johann Anton Pestalozza in Paris, betraut mit den Geschäften der
bündnerischen Diplomatie
398
. Er war nicht nur Kriegsmann, sondern griff auch wie sein
genialer Kamerad Jürg Jenatsch tätig in die Politik seines Vaterlandes ein.
Im folgenden Jahr begannen neue Kämpfe gegen das kaiserliche Heer. Herzog Rohan reihte
                                                
393
Staatsarchiv Zürich, Ratsurkunden B V, Bd.84, S. 248 (9.12.1622), Bd.62, S.399 (15.7.1625); Missiven B IV, 95,
S. 284 (1634), B IV, 107, S. 275 (1646). Staatsarchiv Graubünden, Chur, Bundestagsprotokolle, Bd. 24, S. l9
(1644).
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Sprecher, a.a.O., Bd. I, S. 533.
395
Taufbücher im Stadtarchiv Chur.
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Im alten Friedhof in Chur. Hinter dem Wappen ist die französische Lilie angebracht. -
Sprecher, a.a.O.,
Bd.II, S. 80.
397
Salis, Denkwürdigkeiten, S. 218.
398
Edouard Rott, Hist.de la Représentation Diplomatique de la France auprès des Cantons Suisses, Berne
1913, Bd.IV, II, S.198.
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