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im Mai 1635 die Kompagnie Pestalozza in das Regiment seines Schwagers Ulysses von Salis
ein
399
. Und wieder kämpft Johann Anton Pestalozza um den Besitz seiner Geburtsstadt; denn
er wird wie das ganze Regiment nach Chiavenna beordert. Rohan bleibt Sieger, die Spanier
werden aus dem Veltlin vertrieben. Da - wie das Ziel erreicht scheint - bereitet sich im Innern
des Landes jener geheimnisvolle, merkwürdige Umschwung vor. Unter Führung Jenatschs
hatte sich der geheime Kettenbund gebildet, hauptsächlich aus Hauptleuten, die dadurch
finanziell ruiniert waren, daß sie ihren Truppen Sold und Verpflegung vorgestreckt hatten
aus eigener Tasche, nun aber vom französischen König nicht versprochenermaßen bezahlt
wurden. Pestalozza trat dem Bunde auch bei, machte aber nicht die ganze Bewegung mit,
sondern blieb bei der Besatzung in Chiavenna. Er scheint durch den Krieg finanziell nicht so
sehr gelitten zu haben wie andere Offiziere; wahrscheinlich sträubte er sich auch gegen einen
Verrat am «guten Herzog» und an den französischen Helfern. Von seinen Bündner
Landsleuten wurde er deshalb später als meineidig gescholten. Nachdem der Aufstand gegen
den französischen Oberbefehlshaber ausgebrochen war und die Bünde den Befehl im eigenen
Namen, aber unter Einflußnahme Spaniens übernommen hatten, wurde seine Kompagnie
durch die Kommissarien Beeli und Jecklin zu Cleven am letzten März 1637 aufgelöst
400
.
Johann Anton Pestalozza gab damit den Kriegsdienst auf und entfaltete nun seine Tätigkeit
im Gebiete der Politik. Von Chur aus betrachtete er den Gang der Ereignisse. Jenatsch hatte
ein Bündnis mit Spanien abgeschlossen. Da wurde er in Chur während eines Balls im
«Staubigen Hüetli» ermordet. Es war die Zeit, da Dolch und Gift zum Rüstzeug der Politiker
gehörte. Die Verhandlungen mit Spanien zogen sich dahin. An allen Höfen sind geheime
Kuriere, Gesandte, Unterhändler am Werk, durch Intrigen und Versprechen zu vollenden,
was die Waffen nicht vermochten. Ein Billett aus diesen Tagen, flüchtig hingeworfen, wirft
ein Schlaglicht auf die Tätigkeit Johann Anton Pestalozzas
401
. Er hat seine Zuträger und
Beobachter am Hofe zu Innsbruck, die ihn orientieren über die dortige Tätigkeit des
spanischen Gesandten Henriquez, über die Umtriebe des Kammerherrn Montecuculi und des
Grafen von Hohenems, welche an der Tiroler Grenze spanische Festungen bauen wollen. In
Chur selbst steht Pestalozza in Verbindung mit dem Residenten der Republik Venedig, und
in Zürich besitzt er seinen Mittelsmann in der Person des Pfarrers Ulrich, der bei den
Tagsatzungsherren für die französische Partei in Bünden Stimmung machen soll.
Solche politische Betätigung erheischte vielseitige Begabung und Kenntnisse. So hat Johann
Anton Pestalozza mindestens vier Sprachen beherrscht, Französisch und Italienisch flüssig,
wohl auch Deutsch als Bewohner Churs und Lateinisch, der Bildung der Zeit entsprechend.
1643 trat er noch einmal an die Öffentlichkeit, um für die Unabhängigkeit seines Landes zu
wirken, als es sich darum handelte, den Zehngerichtebund und das Oberengadin gänzlich
von den Ansprüchen Österreichs abzulösen. Er wirkte mit Erfolg als Unterhändler des
Haupts des Zehngerichtebundes, Duric Enderlis, bei Freiherr Maximilian von Mohr, dem
österreichischen Kommissar
402
.
Die Verhandlungen waren recht schwierig. Während die Höfe von Rom und Florenz
intrigierten, glaubte Pestalozzi - wie ein Berichterstatter von ihm schreibt -‚ «er höre die Flöhe
                                                
399
Salis, Denkwürdigkeiten, S.228 u.269. -- Sprecher, a.a.O., Bd. II, S. 203.
400
Sprecher, a.a.O., Bd. II, S.203 und 235. - Salis, Denkwürdigkeiten, S. 287.
401
Staatsarchiv Zürich, Akten A 284, 14, d. d. 20. August 1639.
402
Sprecher, Kriege, Bd. II, S. 263.
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