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 276
husten»
403
.
Um einzelnen Gemeinden des Prättigaus zu helfen, sich von der habsburgischen Herrschaft
loszukaufen, streckte er mit anderen wohlhabenden Bündnern aus eigenem Vermögen Geld
vor. So gab er dem Hochgericht Belfort für den Loskauf der Gemeinde Lenz 400 tirolische
Gulden
404
.
Nachdem sich Johann Anton Pestalozzi dermaßen bewährt hatte, wurde er am 19.Februar
1645 als «Bundsmann» in den Gotteshausbund aufgenommen
405
. Kurz darauf erhielt er
persönliche Steuerfreiheit «wegen 12 lebendigen habenden Kindern». Ein altes Privileg der
Kinderreichen!
406
.
Später mußte er in eigener Angelegenheit tätig werden. Er war der Hauptgläubiger des oben
erwähnten Grafen von Hohenems, dem er 1621 zur Anwerbung eines Regiments für den
spanischen Dienst in den Niederlanden die große Summe von 12000 Gulden geliehen hatte.
Jakob Hannibal von Hohenems starb 1646. Die Vermögensverhältnisse seines Sohnes und
Erben waren zwar zerrüttet, er besaß aber im Rheintal reiche Güter als unantastbares
Fideikommiß. Die Forderung Pestalozzas belief sich auf die für die damalige Zeit sehr große
Summe von 22080 Gulden. Auf der eidgenössischen Tagsatzung des Jahres 1653 konnte er es
mit Karl von Salis durchsetzen, daß der Kaiser veranlaßt wurde, die gräflichen
Fideikommißgüter freizugeben
407
. Pestalozza mußte allerdings ein Namhaftes vom Kapital
streichen, wurde dann aber mit Salis zusammen als Zwangsverwalter der gräflich-
hohenemsischen Güter im Rheintal eingesetzt. So konnte er sich an den Höfen Widnau und
Haslach, zu denen auch alle nieder-obrigkeitliche Gerichtsbarkeit gehörte, genugtun
408
.
Nebenbei vertrat er auch die Drei Bünde auf der Tagsatzung des Jahres 1654 zu Baden, als
über Streitigkeiten zwischen dem Bischof von Chur und den Evangelischen verhandelt
wurde
409
.
Als Angehöriger der begüterten herrschenden Klasse gelang es Johann Anton Pestalozzi, den
Zoll zu Chiavenna, der früher lange Zeit der Familie gehört hatte, dann aber an die
regierenden Bündner verloren gegangen war, in seinen Besitz zu bringen. In den Jahren 1647
und 1654 erhielt er die Zollpacht auf je acht Jahre
410
.
Trotz der Kriege und Wirren befand sich so Johann Anton Pestalozza in glänzenden
Verhältnissen. Er kaufte sich in Chur für seinen Lebensabend ein prachtvolles Haus nahe der
Martinskirche
411
. Ein tiefer Keller barg seinen Wein in drei untereinandergelagerten
Stockwerken. Vom gepflasterten, gewölbten Hausflur aus betrat man den Gartensaal. In
diesem Bau zeigt sich die Anhänglichkeit Johann Anton Pestalozzas an südländischen Luxus.
Durch ihn ist die italienische Renaissancearchitektur in Chur eingeführt worden
412
. Der
                                                
403
Staatsarchiv Zürich, Akten Graubünden, Mappe 15 (Bericht Dr. Sprecher vom 26.9.1643).
404
P. Gillardon, Geschichte des Zehngerichtebundes, 1936, S. 195, 204. -
Gemeindearchiv Lenz, Urk. N 60
(Schuldschein an J.A. Pestalozzi in Chur vom 3./14.8.1653).
405
Originalurkunde im Familienarchiv in Zürich, I 14.
406
Staatsarchiv Graubünden, Chur, Bundestagsprotokolle, Bd. 24, 5. 155 (1645).
407
Amtl.Sammlung Eidg.Abschiede, Bd.III, I,2, S.l239, Nr.143, und S.l240, Nr.146.
408
Ludwig Welti, Geschichte der Reichsgrafschaft Hohenems und des Reichshofes Lustenau, Innsbruck 1930.
H. Wartmann, Der Hof Widnau-Haslach (in St. Gallische Gemeindearchive), St. Gallen 1887 (Ann. 64).
409
Amtl. Sammlung Eidg. Abschiede, Bd.VI, I, I, Nr. 122, n.n.
410
Staatsarchiv Graubünden, Chur, Bundestagsprotokolle, Bd. 25, 5. 194, Bd. 29, S. 27, und Bd. 31, S.81.
411
Später «Unteres Spaniöl» genannt, heute Haus Traber.
412
Das Bürgerhaus in der Schweiz (Zürich 1924), Bd. XIV, S.XX und Taf. 14 u. 18.
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