Gartensaal hat eine gewölbte Stuckdecke, und an der Wand ist im Relief das Wappen des
Erbauerehepaares gebildet, Pestalozzi mit dem gekrönten Löwen, wie ihn die Churer Linie
immer führte, und Salis. Im oberen Geschoß ist ein weiter Vorraum mit kunstvollen Reliefs
an der Stuckdecke ausgeschmückt. In der Ausstattung der Wohnräume zeigt sich weise
Anpassung an die behagliche, warme nordische Bauart. Sie sind nämlich mit gotisch
geschnitztem Getäfer oder ölgemalten Holzverkleidungen und -decken ausgelegt. Über die
Haustüre schrieb Johann Anton Pestalozza: Pax intrantibus, Salus exeuntibus. Anno Domini
MDCLIII.
Herr Johann Anthoni Pestalozza starb sechzigjährig als hochangesehener Mann und wurde
am 26.September 1659 im alten Friedhof zu Chur beigesetzt unter einem
wappengeschmückten Grabstein. Seine Gattin folgte ihm neun Jahre später. Sie wurde ihren
Glaubensgenossen als Spiegel wahrer Gottesfurcht hingestellt
413
.
Bürger zu Chur
Der älteste Sohn Johann Antons, Octavio Pestalozza, war nach Wien gezogen und hatte sich
mit Eva Catharina aus dem dortigen Zweig der Familie von Pestalozzi vermählt. Er ist der
Stammvater der jüngeren Wiener Linie
414
.
Zwei Söhne und vier Töchter des Ehepaares Pestalozza-von Salis in Chur starben als Kinder.
Ein Sohn, Johann Anton, geboren 1627, starb in Lausanne als Student. Sein jüngerer Bruder,
Heinrich Ulysses, geboren 1632, war nach Paris gezogen und ist dort in der Fremde
gestorben
415
.
Tafel 108 - Wappen von Chur
Der Oheim, Marschall Ulysses von Salis-Marschlins, der bei Richelieu und Mazarin in hoher
Gunst stand, nahm einen seiner Neffen Pestalozza, nämlich Rudolf, mit auf seine Kriegszüge
in französischen Diensten. So machte Rudolf Pestalozza die Belagerung und Eroberung von
Tortona (1642) mit. Im folgenden Jahr blieb er im Winterquartier im Piemont beim Stabe
seines Oheims (Januar bis März 1643)
416
, später kam er bei der Belagerung von La Motte in
Lothringen ums Leben
417
.
Vier Töchter hatten geheiratet. Claudia von Pestalozza (1629-1669) war die Gattin des Junkers
413
Notiz im Kirchenbuch St. Martin, Chur, 1668, 28.Juni.
414
Leu, Tabulae genealogicae, Manuskript L 62, auf der Zentralbibliothek, Zürich.
415
Ebenda.
416
Salis, Denkwürdigkeiten, S. 346 u. 350.
417
Leu, Manuskript L 62.