Die beiden Schlüssel
Sinnbild und Name von Chiavenna weist auf die Schlüsselstellung dieser Stadt am Zugang
zu den Alpenpässen. Im Mittelalter wurde dem ursprünglich etruskischen Namen diese
Bedeutung zuerkannt.
Tafel 007 - Pestalozzi Wappen aus dem Codex von Como
Östlich vom Gotthardgebiet werden auf eine weite Strecke die Alpenübergänge von diesem
Ort beherrscht. Die Straßen vom Splügen, vom Septimer und vom Julier kommen hier ins Tal.
Von den deutschen Kaufleuten wurde besonders der Septimer benützt, der daher auch den
Namen «Schwabenpaß» erhalten hatte
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Der Pilger, der von Norden nach Italien wandert, verläßt hier den Bergpfad und erblickt die
Ebene, die ihn zum Comersee und weiter führt. Wenn im Hochmittelalter kaiserliche Heere
über einen dieser Pässe zogen, so wurden in Chiavenna die im Gebirge
auseinandergezogenen Kolonnen wieder gesammelt. Vor allem aber ging ein großer Teil des
Handelsverkehrs hier hindurch aus Italien nach der Schweiz und nach Deutschland und
umgekehrt. Hier konnten die Saumlasten auf Wagen umgeladen werden, und wenige
Wegstunden weiter talabwärts wurden die Waren auf die Schiffe des Comersees verfrachtet.
Hier rüsteten sich die Saumkolonnen zum Anstieg über die Alpen. Chiavenna lebte von
diesem Verkehr.
In Chiavenna wurden von alters her verschiedene Zölle bezogen. Ein kleiner Zoll haftete auf
allen Transporten, die in der Richtung nach Plurs, also gegen das Bergell, liefen. Der große
Zoll lastete auf dem Straßenstück, das für alle Paßrouten gemeinsam war, auf der Route von
Mezzola nach Chiavenna und umgekehrt. Dieser Zoll war ursprünglich ein landesherrliches
Recht des Grafen und dann im Besitz der einflußreichen Familien Chiavennas.
Im Verlauf des 15.Jahrhunderts hat es die Familie Pestalozzi verstanden, sich an diesen
Zöllen zu beteiligen. Wann sie in den Besitz des kleinen Zolls von Chiavenna nach Plurs
gelangte, wissen wir nicht. Wir wissen nur, daß Balthasar Pestalozza (der bekannte
Lehensmann des Bischofs von Como) schon 1454 diesen Zoll für drei Jahre an Gaspar de
Zulino von Plurs verpachtete. So erhielt er einen festen Betrag von 3 Pfund und 4 Solidi jedes
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Dr. Hans Balzer, Geschichtliches aus den ehemaligen bündnerischen Untertanenlanden, Bündner
Monatsblatt 1938, S. 28.