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Partei, bekamen die aufgeregten Massen in ihre Hand und hetzten sie nun gegen die Salis. In
der Nacht wollten sie den Salis-Palast, das «alte Gebäu»‚ stürmen. Erst in diesem Moment, da
der Aufruhr seinen Siedepunkt erreicht hat, greift Amtsbürgermeister von Pestalozza ein. Er
erscheint selbst mit ein paar eilig bewaffneten Bürgern auf dem Platz, und es gelingt ihm,
Ruhe zu gebieten. In den nächsten Tagen dauern aber die Unruhen an unter dem
Maskenschutz der Fastnacht, so daß Pestalozza am Sonntag den Rat einberufen muß. Der
Stadtrat sichert nun dem Bundeskongreß seinen formellen Schutz zu. Trotzdem flieht (wohl
mit politischer Nebenabsicht) das Haupt des Obern Bundes, Landrichter von Mont, weil er
von einigen Masken bedroht worden war. Damit ist der Kongreß lahmgelegt. Man schickt
Boten nach allen Winden. Schließlich findet man den Landrichter in Reichenau. Aber nichts
vermag ihn zu einer Rückkehr nach Chur zu bewegen
448
. Als letztes Mittel wird
Bürgermeister Pestaluz als Friedensbote ausgesandt. Im kalten Schneewetter mußte der alte
Herr nach Reichenau reiten. Er wurde im Schloß sehr freundlich aufgenommen, mußte aber
mit dem Bescheid zurückkehren, «die Ratsboten des Obern Bundes haben den formellen
Beschluß gefaßt, nicht nach Chur zurückzukehren, auch wenn der Landrichter Lust hätte,
sich dahin zu begeben».
Damit hatte eine neue Periode der Unruhe in der Bündner Geschichte begonnen, die bis 1768
dauerte. Von Pestalozza machte diese Politik nicht mehr mit, denn er hatte nun ein Alter von
siebzig Jahren erreicht. Im Jahre 1765 gab er alle seine Ämter ab
449
. Er starb schon drei Jahre
darauf, am 22.Mai 1768. Wenn wir aus den dürftigen Angaben über seine politische Tätigkeit
etwas zur Beurteilung seines Charakters entnehmen können, so ist es die weise Mäßigung,
die Zurückhaltung. Als Richter war er für seine Zeit merkwürdig unparteiisch, als Politiker
suchte er nicht seinen persönlichen Vorteil, sondern den des Landes, als Diplomat war er (im
Vergleich zu den andern wenigstens) offen
450
. Sein Wahlspruch war: Pro Deo et patria!
451
.
Er hinterließ eine Witwe, Ursina von Schwarz, die am 18.Juli 1774 starb, fünf Söhne in
angesehenen Stellungen und vier erwachsene Töchter.
Offiziere.des Dichters liebe
Aus seiner ersten Ehe mit Ursula Ragatz waren dem Bürgermeister, nach dem Tode von zwei
Mädchen, zwei Kinder geblieben, ein Sohn und eine Tochter. Die letztere war 1761 von Georg
Caleb Schwarz heimgeführt worden; sie hatte die Genugtuung, ihren Mann zur Würde eines
Bürgermeisters und Bundespräsidenten aufsteigen zu sehen.
Johann Anton von Pestalozza (1728-1790) war 1750 Hauptmann und Zunftmeister und neun
Jahre später auch Oberzunftmeister in Chur. Er war vermählt mit Anna von Reith und hatte
drei Töchter und zwei Söhne. Zwei Töchter waren verheiratet in die Churer Ratsgeschlechter
von Bawier und Hosang. Ein Sohn starb als Kind, der andere trat mit siebzehn Jahren in
holländische Dienste; er wurde (30.April 1774) Fähnrich im Bündnerregiment Schmid, dessen
General übrigens bei Offizieren und Mannschaft sehr unbeliebt war
452
. Zwei Jahre darauf
                                                
448
Ebenda, I, S. 429.
449
Holzhalb, Supplement zu Leus Lexikon, 1789.
450
Sogar dem venezianischen Gesandten war es aufgefallen, daß Pestaluz seine Gefühle am wenigsten
verborgen hat, daß er sich am wenigsten betrübt zeigt über Colombos Abreise. Sprecher, I, S. 406 Anm.
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Auf einer Ofenkachel in der Stadtkanzlei Chur, mit dem Wappen. Auf einer andern Kachel desselben
Ofens ist das Wappen seines Vetters, Zunfthauptmann und Zunftmeister Hercules v. Pestalozza, mit dem
Spruch: Dominus conserva nos in pace!
452
Sprecher, 18.Jahrhundert, II, S. 283.
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