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Jahr, ohne sich um das Eintreiben des Zolls bekümmern zu müssen. Sich selbst aber behielt er
das Recht vor, seine eigenen Handelsgüter zollfrei zu spedieren
25
.
Im gleichen Jahre finden wir den gleichen Balthasar Pestalozza auch schon beteiligt am
großen Zoll. Er erwarb diesen Anteil von Melchior de Peverelli, der ins Veltlin verzogen
war
26
. Der Zoll umfaßte das Recht zur Erhebung von Lagergebühren und Abgaben auf allen
Fuhren, die aus Deutschland nach Chiavenna kamen, also von Norden nach Süden, und
ebenso auf alle Ware, die von Mezzola nach Chiavenna kam, also von Süden nach Norden. Er
ließ sich auch gleich das Recht einräumen, alle Zollrückstände der letzten fünfundzwanzig
Jahre einzuziehen
27
. Der Besitz dieser Zollrechte gab der Familie eine sehr starke Stellung.
Spätestens in der nächsten Generation war die Familie bereits im Besitz der gesamten
Zollrechte. Denn nun konnten sie Zollprivilegien an fremde Kaufleute erteilen. So gewährten
die Söhne Balthasar Pestalozzas beispielsweise dem bedeutendsten Handelsmann von Bern,
Bartholomäus May, und anderen im Jahre 1482 Zollfreiheit für eine bestimmte Menge Waren
für das ganze Gebiet von Chiavenna
28
.
Diese Zollrechte blieben über ein Jahrhundert in den Händen der Familie Pestalozza. Es war
ein Jahrhundert politischer Umwälzungen. Es lösten sich in Chiavenna die Herrschaft
Mailands, Frankreichs und der Bündner in rascher Folge ab. Von allen Landesherren wurden
den Pestalozzi die Zollrechte bestätigt. Als 1499 König Ludwig XII. von Frankreich das
Herzogtum Mailand eroberte, erhielt sein siegreicher Feldherr Gian Giacomo Trivulzio die
Statthalterschaft und damit auch die Herrschaft in der Grafschaft Chiavenna. Am 2.Januar
1502 erließ Gian Giacomo Trivulzio, Markgraf und Marschall von Frankreich, als Graf von
Chiavenna eine Verfügung zugunsten des Francesco Pestalozza als Zollpächter und eines
Aloisio Montega als Zolleinnehmer für den Zoll von Chiavenna, um an des Landesherren
Statt und für Rechnung Pestalozzas den Zoll weiterhin zu erheben. Darauf stellte der
Kommissar der Grafschaft am 26.Januar 1502 einen öffentlichen Erlaß aus, in dem festgestellt
wurde, daß der Zoll in letzter Zeit gelegentlich mißachtet worden sei, daß dieser große Zoll
von Como aber, wie er in diesem Tal von Chiavenna erhoben wird und dem Landesherrn
zusteht, dem Francesco Pestalozza übertragen worden sei. Es wird öffentlich
bekanntgemacht, daß niemand, welchen Standes er auch sei, irgendwelche Waren durch die
Zollstelle von Chiavenna führen dürfe, sei es zu Wagen oder zu Pferd oder auf andere Weise,
die nicht verzollt und mit der Zollmarke des Francesco Pestalozza oder des Zolleinnehmers
Aloisio versehen sei.
Unverzollte Ware verfiel der Konsignation, und deren Eigentümer mußte dem Zollinhaber
eine Buße zahlen nach Maßgabe der Statuten und der Zollordnung
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So wußte sich Pestalozza sein wichtiges Wirtschaftsprivileg auch unter dem neuen Herrn zu
sichern. Auch als später die Bündner das Gebiet unterwarfen, wurde lange Zeit an diesen
Privilegien der Pestalozzi, die sie zu den Herren der wirtschaftlichen Reichtumsquelle dieses
                                                
25
Archivio di Stato Sondrio, Fondo Notarile, Notaio Nasali Giovanni fu Bernardo, Bd.259, 2.11.1454.
26
Ebenda, Bd. 259, 4.6.1454.
27
Ebenda, gleiches Datum.
28
Ebenda, Notaio Lupi Bartolomeo fu Giovanni, 27.7.1482. (Über Bartholomeus May, 1446-1531, Burger von
Bern, Herr zu Strättlingen, Toffen, Wattenwil, 1467 des Großen Rats, 1494 des Kleinen Rats, vgl. das
Lebensbild von A. von May im Berner Taschenbuch auf das Jahr 1874.)
29
Ebenda, Notaio Nasali Bartolomeo fu Pietro, 26.1. 1502. G. B. Crollalanza, Storia di Chiavenna, Milano
1870, S.187 und 482. - Dr. Hans Balzer, a.a.O., S. 28.
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