III. - IN DER KAISERSTADT WIEN
Der Anziehungspunkt
In der Stadt Wien, die seit Beginn des 17.Jahrhunderts zum dauernden Regierungssitz der
Kaiser und damit zum Mittelpunkt des römischen Reiches deutscher Nation wurde, war der
Kreuzungspunkt der Handelswege der österreichischen Lande. Aber nicht nur das, dort
liefen auch mehrere Fernhandelsstraßen zusammen.
Tafel 117 - Pestalozzi-Pellizari Wappen
Die Stadt, deren Pfingstmarkt internationalen Messecharakter angenommen hatte, war daher
ein Anziehungspunkt für viele europäische Großkaufleute.
Es ist darum nicht verwunderlich, daß schon in der ersten Hälfte des 16.Jahrhunderts
einzelne Pestalozzi dorthin Verbindungen aufnahmen, war diesem wachsenden Geschlecht
die kleine Stadt Chiavenna doch zu eng geworden.
Wir finden Nachrichten über einzelne Pestalozzi, die sich zunächst nur vorübergehend in
Wien aufhielten.
So muß sich um 1582 Daniel Pestalozza (Stammtafel 10) mit seiner Familie dort aufgehalten
haben, denn von seinem Sohn ist vermerkt, daß er in Wien zur Welt kam
472
. Daniel war der
Sohn eines Dottore Gulielmo Pestalozza aus der Linie Luna. Er kam nach Wien mit seiner
Frau, Narcissa von Salis, der Tochter des Gubert von Salis und der Dorothea Freiin von Salis.
Der Großvater der Frau Pestalozza, Freiherr Dietegen von Salis (? 1590), Ritter und
Generalmajor, war kaiserlicher Hofrat. Ihm wird wohl der Besuch Daniel Pestalozzas und
seiner Frau gegolten haben. Wenige Jahre später treffen wir ihn als Capitano wieder in
Chiavenna an.
Ein anderer Pestalozza, der einem kaiserlichen Hofrat Besuch abstattete, war
Horaz von
Pestalozza, der als Gattin die Tochter Dorothea des Johann Wolfgang Unverzagt des Älteren,
Freiherrn zu Retz, Herrn zu Ebenfurth und Regelsbrunn (? 1605), heimführte. Der Vater
dieser Frau Pestalozza war kaiserlicher Geheimer Rat, Hofkammerpräsident und Hofmeister.
Damit ist ein Pestalozza schon in nahe Beziehung zum Kaiserhofe gekommen. Horaz und
seine Frau Dorothea sind vor dem 28.Oktober 1635 gestorben
473
.
Aus dem Hause Pestalozza in Vicenza hat sich von den vier Söhnen des Giovanni Battista der
zweite, Giovanni Battista Pestalozza (Stammtafel 9), etwa um das Jahr 1630 in Wien
472
Archivio Capitulare S. Lorenzo Chiavenna, Totenbuch zum Jahr 1604.
473
Siebmachers Wappenbuch, 4.Bd., 4.Abt. (Niederösterreich. Landständischer Adel), bearb. v. Dr. J.B.
Witting, Nürnberg 1918, 2. Teil, 1. Hälfte, S.444b (Art. Unverzagt).