war. Pestalozza war aber in erster Linie ein getreuer Bündner. Fortunat von Juvalta erzählt,
wie ihm in schwieriger politischer Lage Hilfe durch Pestalozza geworden war. Als die
Spanier an der Grenze die Festung Fuentes bauten und als die Bündner täglich den Einfall
spanischer Truppen ins Veltlin befürchteten, da sandten sie 1605 einige Delegierte
(Proveditores) ins Veltlin, um die Bewegung der Spanier in Oberitalien zu beobachten und
allfällige gefährliche Erscheinungen unverzüglich nach Chur zu melden. Nur ungern
unterzog sich Fortunat von Juvalta dieser schwierigen Aufgabe.
Er schreibt
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(7):
«Diejenigen, die aus dem Mailändischen kamen, verbreiteten beständig Gerüchte, die
von der bevorstehenden Gefahr Schrecken einjagten. Ich schickte daher oft Spione nach
Mailand, Como und den Tre Pievi. Diese erzählten mir, was sie aus dem Munde des
Volkes auf den Straßen und Kreuzwegen aufschnappten, und das war gewöhnlich
ungewiß und widersprach sich bisweilen selbst. Ich wurde daher täglich zweifelhafter
und unsicherer gemacht; jedoch berichtete ich alles, es mochte sein, was es wollte,
sorgfältig nach Chur.
Der Herr Paul Pestaluz genannt Luna von Cleven, ein angesehener, kluger und den
Bündnern besonders ergebener Mann, richtete mich in meinem Kummer bei diesem
Amte allezeit auf. Er handelte in Genua, Mailand, Como und anderen Orten und hatte
daselbst Leute, welche seine Handlungsgeschäfte besorgten, und Correspondenten, die
ihm wöchentlich durch die ordinäri Post von denjenigen Sachen, die zur Handlung
gehörten, Nachricht gaben. Mit diesen hatte er auf mein Verlangen insgeheim abgeredet
-
gleichsam, als ob er seiner eigenen Sicherheit wegen besorgt wäre und damit er in
Zeiten, da einige Gefahr hereinbrechen sollte, für seine Familie und sein Gut sorgen
könnte -‚ daß sie in ihren Briefen allezeit mit einflechten sollten, wenn anderswoher
Kriegstruppen ankämen oder in dem Herzogtum geworben würden oder aus anderen
Städten gezogene Besatzungen gegen Como oder den Comersee zu geführt würden.
Diese Briefe teilte mir hernach Herr Pestaluz mit. Und daraus wußte ich zuverlässig, ob
Truppen aus Spanien oder dem Königreich Neapel zu Genua gelandet oder andere
Bewegungen an anderen Orten gemacht wurden, woraus wir Gefahr zu befürchten
hätten. Dasjenige, so von diesen herkam, war gewiß und wahr, was aber von anderen
Orten her berichtet wurde, war gewöhnlich leeres Gewäsche und hielt selten stich.»
Zu jener Zeit, als es noch keine Zeitungen gab, war für einen Kaufmann und Bankier ein
zuverlässiger und rascher Nachrichtendienst ein geschäftliches Erfordernis. Hier kam er auch
dem Staate zugut.
Wie wir gesehen haben, war Paolo Pestalozza mit Emilia Pellizari aus vornehmer Familie von
Chiavenna verheiratet und wurde Vater von neunzehn Kindern. Einige davon sind aber
jedenfalls jung gestorben, da die Kindersterblichkeit keine Familie verschont hat.
Seine Söhne ließ er in Wien ausbilden. Von dort aus nahmen die älteren an den
Türkenkriegen teil, während die jüngern dann nach Ungarn geschickt wurden, um die
dortige Sprache und die Sitten zu erlernen
479
. So sorgte der Handelsherr vor, daß seine
Nachkommen die Geschäftsbeziehungen nach dem Osten Europas sollten ausbauen können.
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Fortunat v. Juvalta, Geschichte gemeiner Drei Bünde, 1592-1649, hg. v. H. L. Lehmann, Ulm 1781, S.58-60.
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Notizen aus dem Adelsarchiv Wien (Adelsdiplom vom 23.6. 1635).