Von seinen Töchtern wurde eine die Gattin des Timotheus Schwarz in Chur
480
, während eine
andere, Margarita, nach Frankreich kam. Sie heiratete den Giovanni Antonio Stoppa von
Chiavenna, Hauptmann bei der Schweizergarde in französischen Diensten
481
. Er war ein
naher Verwandter der beiden Söldnerführer Giovanni Pietro und Giovanni Battista Stoppa,
die sich in französischen Diensten als Marschall und Brigadier in den Schlachten Ludwigs
XIV. Lorbeeren geholt haben.
Nicht nur dem Kaiser, auch seinem Vaterland hat Paolo Pestalozza große Dienste geleistet.
Abgesehen von dem Nachrichtendienst, den er den Bündner Behörden zur Verfügung stellte,
kamen seine weltweiten Handelsbeziehungen auch seiner engeren Heimat zugute. Denn
wenn Teuerung und Mangel an Lebensmitteln herrschte, verstand er es, die Zufuhr in Gang
zu bringen. Er versorgte den größten Teil Bündens und des Veltlins mit Nahrungsmitteln
und Vorräten.
Merkwürdigerweise kam das Unglück gerade aus dem Bündnerland in Paolos Leben. Das
Strafgericht in Thusis nahm ihn aufs Korn. Ihm persönlich konnte, nach allem, was wir aus
seinem Leben wissen, sicher nicht der Vorwurf gemacht werden, er habe sein Vaterland an
die Spanier verraten. Was das Ausnahmegericht leitete, war in diesem Falle eindeutig die
Gier nach dem großen Vermögen. Das zeigt sich aus der Art des Vorgehens, aus der Höhe
der Strafe und aus der späteren Rehabilitation. Auf Veranlassung des Strafgerichts war zuerst
in Chiavenna der Angestellte Pestalozzas, Giovanni Giorgio Selder, verhaftet worden. Wie
eindeutig die Sympathie seiner Landsleute auf seiner Seite war, zeigt der tumultuöse
Aufstand in Chiavenna, als das Volk den Verhafteten zu befreien suchte. Das Strafgericht ließ
Selder foltern, und unter der Tortur konnte es ihm das «Geständnis» erpressen, er habe sich
als Spion Rudolf von Plantas betätigt, also des Hauptangeklagten, gegen den sich die
Institution des Thusner Strafgerichts in erster Linie richtete
482
.
Dieses Verfahren führte zwangsläufig zu einer Verurteilung Paolo Pestalozzas, denn es ist
das Wesen der Ausnahmegerichte, daß sie sich mit hochgestellten Personen eher als mit
unwichtigen Angestellten befassen. Paolo Pestalozza wurde zu der unglaublich hohen Buße
von 7000 Gulden verurteilt. Von den zahlreichen zu Ilanz 1607 Bestraften ist nur noch einer
mit 8000, einer mit 4000 und zwei mit 2000 Gulden gebüßt worden
483
.
Die Buße war aber nur ein Teil und der geringfügigere von dem, was das Strafgericht gegen
das Vermögen Pestalozzas vorkehrte. Der Appetit war geweckt. Im Jahre 1618 zog das
Strafgericht, das diesmal zu Thusis tagte, den angesehenen Finanzmann wieder in sein
Verfahren
484
. Es hatte gegen Pianta die Vermögenskonfiskation angeordnet. Es scheint, daß
Pestalozza als Bankier einen erheblichen Teil dieses Vermögens verwaltet und offenbar im
Ausland angelegt hatte. Das Strafgericht ließ nun bei Paolo Pestalozza einen Betrag von 27500
Gulden beschlagnahmen, den angeblichen Betrag von Kapital und Zins der Obligation
Plantas bei Pestalozza. In diesem Umfang wurden ihm Güter in den bündnerischen Landen
konfisziert, veräußert und der Erlös in den Drei Bünden verteilt. Die Behörden der Grafschaft
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Staatsarchiv Graubünden, Chur, Bundestagsprotokolle, Bd. 9, S.216 (1619).
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Familienarchiv Zürich, I, B 18 (Vollmacht vom 2 1.4.1621).
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G. B. Crollalanza, Storia del Contado di Chiavenna, Milano 1870, S.273. Fort. Sprecher, Geschichte der
bündnerischen Kriege und Unruhen, hg. C.v. Mohr, Chur 1856, Bd. I, S.74 und 93. Staatsarchiv Zürich,
Graubündner Akten, Mappe 6 (1607, Einvernahme Jörg Beh, Punkt 21).
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Juvalta, a.a.O., S.90 Anm.
484
C. v. Mohr, Geschichte Currhätiens, Bd. II, S.321, 357, Nr.5.