hieß 1622 bis 1624 die «Landsverleger-Compagnia zu Wienn». In ihrem Rahmen half
Pestalozzi, die ins Stocken geratene Lebensmittelversorgung Wiens finanzieren. Er
verschaffte der Regierung wiederholt größere Anleihen, ein Dienst, der ihm den Kaiser zum
Schuldner machte und der ihm von höchster Stelle manche Gunstbezeugung, aber auch
manche Handelsbegünstigung eintrug. Er besaß (schon um 1623) einen luxuriös
eingerichteten Herrenhof, den sogenannten «Kleinen Federlhof» am Anger in Wien. Von hier
aus leitete er seine weitverzweigten Geschäfte
492
. Er gehörte selbstverständlich zum Kreis der
Hofhandelsleute. Das waren die Kaufherren, zu denen der Kaiserhof und die
Reichsverwaltung die engsten offiziellen Beziehungen hatten, eine besondere Art von
«Hoflieferanten», deren Lieferungen in diesem Falle vor allem in finanziellen Anleihen
bestanden und die die größten kaufmännischen Privilegien genossen. Johann Anthony von
Pestaluz kaufte 1623 das Rittergut Pezelsdorff bei Wien und, schon mit Diplom, datiert von
Prag, 12.Mai 1623, erhielt er vom Kaiser Ferdinand II. das Privileg, dieses Gut samt den
dazugehörigen Untertanen zu besitzen und sich «Pestaluz von und zu Pezelsdorf» zu
schreiben. In Anerkennung der Verdienste seines Vaters und seiner eigenen vielfachen Hilfe
in Geldangelegenheiten wird ihm der «Einstand» (Einkauf) in die Landstände von
Niederösterreich erlassen und das Gut Pezelsdort ihm und seinen Erben als Eigentum
zuerkannt. Später, im Jahre 1630, erwarb Johann Anthony von Pestaluz auch die Herrschaft
Ebersdorf, die von allerhöchster Stelle mit landesfürstlichen Lehen erweitert wurde. Auch in
Severing (Ober-Sievering) besaß er größere Lehen. Ferner erwarb er Kotting und Deutsch-
Broders, so daß er im Lande Niederösterreich einen großen herrschaftlichen Landbesitz an
Rittergütern und anderen Besitzungen sein eigen nannte
493
.
Wenn immer das Kaiserhaus Geld brauchte, und es brauchte viel in diesen Zeiten, wandte es
sich an die reiche Bankfirma Pestalozzi. Meist handelte es sich um Vorschüsse, die später aus
Steuern und anderen Reichseinkünften wieder beglichen wurden. So bei der Heirat des
Kaisers Ferdinand II. (1622) mit Prinzessin Eleonora Gonzaga von Mantua. Damals mußte
das Geld für einen standesgemäßen Aufzug der künftigen Kaiserin und für ihre Reise nach
Wien von den herzoglich mantovanischen Ministern zusammengesucht werden und wurde
schließlich mit Hilfe der Gebrüder Pestalozzi aufgetrieben
494
. Die Kaiserin hat sich später
dieses Dienstes erinnert.
Einen ungeahnten Aufschwung nahmen die Bankgeschäfte für die kaiserliche Regierung, als
der Krieg in ein akutes Stadium trat und als die dynamische Persönlichkeit Wallensteins mit
der Kriegführung beauftragt wurde. Im Sommer 1625 hatte Wallenstein die Aufgabe
übernommen, ein Heer aufzustellen. Er hielt darauf, daß die geworbenen Soldaten
regelmäßig bezahlt wurden, das war eines der Geheimnisse der Beliebtheit seiner
Führerpersönlichkeit. Die neu geworbenen Regimenter von Ungarn, Kroaten und Heiducken
mußten von Wien aus bezahlt werden. Das nötige Geld stellte Johann Anton Pestaluz dem
Vetter Wallensteins, Max von Waldstein, zur Verfügung
495
. Die Firma Pestalozzi kam damit
492
Leo Weisz, Schweizer Bankiers in Wien, in Neue Zürcher Zeitung vom 22.10.1936. Karl August Schimmer,
Ausführliche Häuserchronik der Stadt Wien, Wien 1849 (Nr. 767).
493
Jahrbuch des Herald. Genealog. Vereins «Adler» in Wien, III. Jahrg., 1876, S. 79 (Schauplatz des
niederösterreichischen landsässigen Adels vom Herren- und Ritterstande vom XI. bis XVIII. Jahrg., von F.
K. Wissgrill).
494
G.B. Intra, Le due Gonzaga Imperatrici, in Archivio storico lombardo, Serie 2, Bd.8, 1891, S. 355, Nr. 18.
495
Anton Ernstberger, Hans de Witte, Finanzmann Wallensteins, Wiesbaden 1954, S. 176 (Brief Wallensteins
vom Dez. 1625).