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in den Kreis des Finanzsystems, das von Wallensteins Hauptfinanzmann Hans de Witte in
Prag organisiert wurde. Die Brüder Johann Anthony, Johann Baptista und Stefan Pestaluz
waren die Hauptfaktoren de Wittes in Wien. Daneben wurden noch einige Nebenfaktoren
auf dem Platze Wien für das große Finanzunternehmen, das die Kriegführung Wallensteins
darstellte, beansprucht, nämlich: die Firma Giulini, deren Leiter aus Plurs stammten und
daher den Pestalozzi gut bekannt waren, Giovanni Andrea, Giovanni Paolo und Giovanni
Battista Giulini, zusammen mit Alessandro de Ferrari, Cesare Peverelli und Giulio Giacomo
Agudi, alle in der gleichen Firma. Ein weiterer Nebenfaktor - neben noch einigen anderen -
war Christoph Jakob Daniel Landtsperger, der Schwiegervater des Johann Anthony von
Pestaluz. Das Bankhaus Pestaluzzi war aber auch in dieser Kriegsfinanzierung das führende
Haus und Hauptkorrespondent der Prager Zentralstelle de Witte. Vom Frühjahr 1625 an lief
der Geldstrom von Prag und aus Wallensteins Herzogtum Friedland schon regelmäßig nach
Wien. Wallenstein weilte damals meist am Kaiserhof oder in dessen Nähe und ließ
regelmäßig bei den Gebrüdern Pestalozzi die Summen beheben, die er brauchte. Es war viel
und wurde immer mehr. Nicht wenig brauchte er für sich selbst und seine jung angetraute
zweite Gattin Isabella Katharina von Harrach. Er gab mit vollen Händen Zehntausende um
Zehntausende von Gulden aus. Nicht ohne Berechnung, denn der neugebackene Fürst wollte
sich den Ruf fürstlicher Freigiebigkeit schaffen. Das gehörte zu dem Nimbus, den er als
Feldherr brauchte. Das Bankhaus in Wien hatte alle Hände voll zu tun
496
. Es erwarb sich das
persönliche Vertrauen des großen Feldherrn und Politikers. Selbst ganz vertrauliche
Geldsendungen Wallensteins gingen durch Pestalozzis Hände. Da flossen zum Beispiel 3000
Reichstaler über die Wiener Faktoren Pestalozzi nach Rom «wegen deß Agenten» (15.Juli
1630) oder wie es in ähnlich verdeckter Sprache noch einmal heißt: «Verhoffe, Herr Pestaluz
werde die Verordnung zu Rohm auch entzwischen getan haben» (5.September 1630)
497
.
Nicht nur in den Finanzgeschäften, auch in der kaiserlichen Gunst war Johann Anthony
Pestaluz gestiegen. Am 20.März 1629 wurde «Johann Anton Pestaluz, gewesener
Großhändler und Wechselherr, Herr von Pötzleinsdorf Koting, Ebersdorf und Obersivering»,
in den Ritterstand der neuen Geschlechter aufgenommen. Der Gnadenakt erfolgte auf
Veranlassung des Kaisers Ferdinand II. und der Kaiserin Eleonora, welche sich der früheren
Dienste, als sie noch Prinzessin zu Mantua gewesen war, dankbar erinnerte
498
. Bald aber
bereitet dem Ritter Johann Anton von Pestaluz, der eben im Hauptberuf Bankier geblieben
war, sein Hauptkunde, Albrecht von Wallenstein, Herzog zu Friedland, Sagan und
Mecklenburg, große Sorge. Er war vom Kaiser am Fürstentag zu Regensburg am 13.August
1630 abgesetzt worden. Die in die Hunderttausende gehenden Kredite konnten von seinem
Hauptbankier in Prag nicht mehr gedeckt werden, weil die Wallenstein als General
zustehenden Kriegskontributionen und anderen Steuereinnahmen nicht mehr unmittelbar
zur Deckung seiner Anleihen herangezogen werden konnten. Kurz darauf nahm sich dieser
Hauptfinanzmann Wallensteins, Hans de Witte, das Leben (10.September 1630), und seine
Firma geriet in Konkurs. Es müssen für die Brüder Pestalozzi in Wien sorgenvolle Tage
gewesen sein. Sie begnügten sich nicht mit der Anmeldung ihrer Außenstände im
Nachlaßkonkurs de Wittes in Prag, sie wandten sich unmittelbar an den Kaiser um
Unterstützung, weil de Witte «zu verschiedenen Malen sehr starke Posten auf Wechsel»
empfangen hätte. Es folgte eine lange währende, wegen des Krieges über zehn Jahre sich
                                                
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Ernstberger, a.a.O., S. 224, 271.
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Ernstberger, a.a.O., S. 297 f.
498
Jahrbuch Adler, III. Jahrg., 1876, S. 79.
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