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unkosten aber, so da erfordert werden, wann man Gesandte aus dem Landt schicken
muß, solches unterlassen worden; dermalen sich die Gelegenheit ereignet, daß ein
gewüsser Herr Baron Ottavio Pestallozza, so ursprünglich von seinen Eltern her ein
freyer Pundtsmann, und dem vernehmen nach ein sehr qualificierter und unserem
Standt wohlaffectionierter Herr ist, sofern lobl. Gem. 3 Pündte ihne mit dem Charakter
Ihres Residenten am Kayseri. Hofe zu Wien, alwo er ohne das wohnet, beehren wollen,
Er ohne einige Kosten des Standts solches annehmen und in allen Treuen und
Pundtsgenössischer aufrichtigkeit und dasjenige nach bester Möglichkeit verrichten
wurde, was Ihme von Standtswegen anbefohlen wird.....»
Die Bundsmannschaft (Bürgerrechte) der Drei Bünde hatte seinerzeit der Urgroßvater,
Hauptmann Johann Anton Pestalozzi in Chur, erhalten. Als kurz darauf der Krieg mit den
Türken wieder ausbrach, leistete Carl Octavio dem Kaiser auch im Felde Dienst und nahm als
Kavallerieoffizier an den Feldzügen der Jahre 1716 und 1717 teil. Es war die Zeit der Siege
des Prinzen Eugen über die Türken. 1718 war Carl Octavio Hauptmann im
Dragonerregiment seines Schwagers, des Grafen von Jörger, 1724 wurde er Major und später
Oberst.
Die anderen drei Brüder -
Leopold Herkules war um 1716 gestorben -
schlugen drei
verschiedene, für den Adel am Hof charakteristische Karrieren ein.
Johann Baptist,
in seiner Jugend Hauptmann im Regiment Heister, ließ sich in Wien nieder,
offenbar übernahm er nach Carl Octavios Tod (1735) die Leitung des Geschäfts. Seine Gattin
war eine Ungarin, Magdalena geborene Freiin von Peterffy
525
.
Franz Joseph,
der 1716 Hauptmann im Regiment Palffi war, blieb bei der militärischen
Karriere. 1728 wurde er zum Obersten befördert und 1731 zum Kommandanten des
Brandenburg-Kulmbachschen Regiments ernannt, wobei seine Tapferkeit besonders
hervorgehoben wurde. Er beteiligte sich bei der Niederwerfung der Unruhen in Korsika,
1734, in der Schlacht bei Parma, bei der Belagerung von Guastalla und beim Überfall auf
Cluistello. Am 30.August 1741 erfolgte seine Beförderung zum Generalfeldwachtmeister. In
den folgenden Jahren finden wir ihn wieder auf dem italienischen Kriegsschauplatz. Er war
Herr von Pezelsdorf, welche Herrschaft vorher seinem Onkel, Baron Johann Anton Pestaluz,
gehört hatte. In späteren Jahren heiratete er (1749) Helene Marie Anna Ernestine Albrecht von
Albrechtsburg (a 1696, ? l763)
526
.
Der jüngste Bruder, Ludwig (geb. zu Wien am 22.Januar 1701), schlug die geistliche Laufbahn
ein. Mit fünfzehn Jahren trat er in den Jesuitenorden ein. Seine Studien schloß er mit dem
Doktorat der Philosophie und demjenigen der Theologie. Er war dann immer im Lehramte
tätig; zuerst lehrte er in Graz die Dicht- und Redekunst, dann nacheinander in Wien, wieder
Graz und Tyrnau Philosophie und Theologie. Ein paar Jahre war er Prediger, dann wurde er
Rektor des Kollegiums zu Klagenfurth und zuletzt Präfekt der höheren Schulen zu Linz, wo
er am 30.Dezember 1758 starb. Von seinen Veröffentlichungen sei vor allem eine deutsche
Ausgabe der Briefe des heiligen Hieronymus (Graz 1748) erwähnt
527
.
                                                
525
Genealog. Zeitschrift Adler, Wien, Bd. V, S. 202 (Auszüge aus Testamenten im Archiv des k. k.
Landgerichtes Wien, Testament des Freih. Joh. Bapt. Pestaluzz, 1736).
526
Ebenda, Bd. 10, S. 580 (Auszüge aus Testamenten des Hofmarschallamtes Wien).
527
Dr. Const. Wurzbach, Biograph. Lexikon des Kaiserthums Österreich, XXII. Teil, Wien 1870. J. N. Stoeger,
Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu, Wien und Ratisb. 1855, S. 261.
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