Um jene Zeit tat sich in Österreich ein Heerführer hervor, der von Holzhalb (Supplement zu
Leus Lexikon Helveticum) als Bruder des oben erwähnten Johann Baptista Pestaluz zu Wien
bezeichnet wird. Er scheint aber einer andern Familie angehört zu haben, sonst wäre er in
dem ausführlichen Freiherrendiplom der Kinder des Johann Baptist Pestaluz von Pestaluzzi
(? 1705) aus dem Jahre 1716 bestimmt auch genannt worden. Herkules Hyppolitus Pestalozzi
war 1683 geboren. Im Jahre 1704 trat er in die Dienste des Kaisers Leopold und ward nach
vier Jahren Hauptmann im Regiment Buol.
Dieses Regiment war damals von Johann Anton von Buol-Rietberg (1671-1717) in kaiserlichen
Diensten aufgestellt worden. Der Regimentsinhaber war ein Sohn des Freiherrn Paul von
Buol und der Narcissa von Planta-Rietberg. Im gleichen Regiment diente auch Jakob von
Planta-Wildenberg (? 1728) als Hauptmann. Durch die Familie von Planta bestand somit eine
mehrfache Verwandtschaft des Regimentsinhabers mit der Familie Pestalozza zu Luzein (vgl.
Stammtafel 33). Die Annahme liegt daher auf der Hand, daß Herkules Hyppolitus Pestalozzi
aus der Linie der Pestalozzi zu Luzein stammte und daß er wegen seiner nahen
Verwandtschaft mit dem Regimentskommandanten und späteren Generalfeldwachtmeister
mit so jungen Jahren eine Hauptmannsstelle im neuen Bündnerregiment in kaiserlichem
Dienst erhalten hat. Mit diesem Regiment machte er 1718 die Feldzüge gegen die Türken mit.
1720 wurde er Major, 1729 Oberstlieutenant, und 1734 übernahm er als Oberst das
Kommando dieses Regiments. Er führte sein Regiment 1734 und 1735 in den Feldzügen in
Italien gegen die Spanier. Dabei zeichnete er sich durch persönliche Tapferkeit aus. Als
Anerkennung hiefür erhob Kaiser Karl IV. auch diesen Sproß des Geschlechtes Anno 1739
zum Reichsfreiherrn und beförderte ihn 1740 zum Generalmajor. In diesem Range machte er
die Feldzüge in Schlesien gegen Friedrich den Großen, in Bayern und am Rhein gegen die
Franzosen mit. Im Jahre 1744 folgte er dem Fürsten Lobkowiz nach Italien mit dem Grade
eines Feldmarschall-Lieutenants. Auch in diesem Feldzuge bewies er seine persönliche
Tapferkeit. Er wurde bei Monte-Artemisio verwundet und mit fünfhundert Mann gefangen,
aber im gleichen Jahre ausgewechselt. Von neuem wurde er in der Schlacht von Piacenza, am
16.Juni 1746, wo er sich wiederum mutig hervortat, verwundet, so daß er zum Kriegsdienst
untauglich wurde. Die Kaiserin Maria Theresia setzte ihm daher eine Pension von 4000
Gulden aus und gab ihm ein Kommando in Mähren. Er starb am 8.November 1751 in
Wien
528
.
In Wien ist die Linie der Pestalozzi um die Wende des l8.Jahrhunderts erloschen. Es lebten
damals noch einige Damen, wahrscheinlich Töchter des Johann Baptist Baron Pestaluz von
Pestaluzzi und der Freiin von Peterffi. Die letzten Glieder dieser Familie waren die Gräfin
Josefa von Ponteleone geborene Freiin Pestalozzi, welche siebenundsiebzigjährig Anno 1802,
und die Generalswitwe Freifrau Luzia von Kalckreuth geborene Freiin Pestaluzzi, die
sechsundsiebzigjährig 1805 in Wien starb
529
.
Um jene Zeit ging das ehemalige Pestalozzische Bankhaus an Johann Heinrich Geymüller
über, der auch die Güter der Familie und die Herrschaft Pötzleinsdorf übernommen hatte
530
.
528
Leu, Lexicon helveticum, Bd. XIV, S. 442-443. May, Histoire militaire des Suisses, Bd. I, S. 555-556.
529
Genealog. Zeitschrift Adler, Wien, Bd. III, S.40 und 58. (Die Generalin von Kalkreuth entstammt vielleicht
der Familie P. in Schlesien, St. 19.)
530
Leo Weisz, Studien zur Handels- und Industriegeschichte der Schweiz, Zürich 1938, Bd. I, S. 27.